
Das 1. Treffen der Geschichtswerkstatt Textil findet statt am Donnerstag, den 9. Februar 2011, um 17 Uhr
Ort: Tapetensaal im Haus Klosterstr. 7
Warendorf war schon seit dem 16. Jahrhundert eine weithin bekannte
Leineweberstadt. Nicht nur die hohe Qualität des Gewebes, auch die
optimalen Bedingungen bei der Bleiche auf den Emswiesen war die
Grundlage für das Qualitätsprodukt. 1839 lieferte die Fa. Eickhoff
feinste Damast Tischwäsche mit dem eingewebten Bild des Kölner Domes für
die Aussteuer der Queen Victoria nach England. Seit 1861 betrieb die
Firma „Brinkhaus und Wiemann“ eine mechanische Weberei an der
Kirchstraße. In den Folgejahren gründeten sich mehrere Firmen, z.B. „ H.
Brinkhaus“, „Wiemann & Bispinck“ und „Oberstadt & Ludorff“. Diese
Webereien boten vielen Familien ein gesichertes Auskommen. Mal waren die
Zeiten besser, mal schlechter. Erst
als die Billiganbieter aus Fernost
die Produktion hier unwirtschaftlich machten, musste eine Firma nach der
anderen aufgeben. 2011 stellte auch die Firma Brinkhaus ihre Produktion
ein. Heute klappert kein Webstuhl mehr in Warendorf.
Die Textilindustrie hat viele Jahre lang das Leben in Warendorf bestimmt. Ein reicher Erinnerungsschatz schlummert noch unentdeckt. Darum möchte der Heimatverein zu einer „Geschichtswerkstatt Textilindustrie in Warendorf“ einladen. Hier soll „Alltagsgeschichte“ stattfinden, Erinnerungen und Geschichten sollen erzählt werden, so entsteht aus den Geschichten der Bürger eine lebendige Warendorfer Textilgeschichte.
Alle Interessierten, insbesondere die Zeitzeugen, sind herzlich eingeladen.
Die historischen Bildtapeten im Hause Klosterstraße 7 sind
jetzt mit Unterstützung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung restauriert
worden und stehen der Öffentlichkeit wieder zur Besichtigung zu den
Öffnungszeiten des Dezentralen Stadtmuseums zur Verfügung.
Zwei Räume des von 1812 bis 1816 von dem Arzt und preußischen
Hofrat Dr. Franz-Joseph Katzenberger errichteten Wohnhauses wurden mit
im Handdruck hergestellten Bildtapeten der Pariser Manufaktur Dufour &
Leroy aus den Jahren 1823/24 ausgestattet. Die eine Bildtapete hat als
Motiv aus der griechischen Mythologie „Telemach auf der Insel
Kalypso“, während die Bildtapete des größeren Gartensaales
„Die Inkas oder die Zerstörung des Reiches von Peru“ zeigt. Die Motive
der beiden Tapeten gehen auf französische Romane zurück. Solche
Panoramatapeten findet man vornehmlich in den Wohnsitzen des ländlichen
Adels im Münsterland – Haus Stapel bei Havixbeck, Haus Rüschhaus,
Schloss Rheda - , vereinzelt auch in Bürgerhäusern.
Die aus Rechtecken von 55 mal 44 Zentimetern zu jeweils 25
Bahnen von 2,60 Metern Länge zusammengesetzten Tapeten - hinzu kommen
noch Sockeltapeten von 62 Zentimetern Höhe - bezog Dr. Katzenberger
über die um 1800 an der Krückemühle in Warendorf gegründete Kunst- und
Tapetenhandlung des Malers Bernhard Frye.
Im Laufe der Jahre hatte die Farbe der Tapeten zwar
nicht viel von ihrer Leuchtkraft eingebüßt, durch die Nutzung der Räume
in fast 190 Jahren waren jedoch Schäden entstanden, die eine
Restaurierung erforderten. An einzelnen Stellen löste sich die Tapete
von der Wand. Fehlstellen ergaben sich durch nachträglich eingebaute
Ofenanschlüsse, der Lichteinfall hatte einzelne Stellen
verbleichen lassen.
Nachdem durch den Eigentümer des Hauses, Dr. Thomas Weritz, in
beiden Räumen eine museumsgerechte Heizung eingebaut worden war, wurden
durch die Paderborner Firma ars colandi seit Ende 2011 von einer
Restauratorin in mühevoller Arbeit die Schäden beseitigt. Dabei
wurde auf eine detailgetreue Wiederherstellung aus Kostengründen
verzichtet, Fehlstellen wurden nur farblich an die Umgebung angepasst.
Literatur:
W. Suwelack, Das kostbare Haus Klosterstraße 7 in Warendorf,
Warendorfer Schriften, Band 25 – 27, Warendorf, 1997, S. 141 f.
Pl. (Paul Leidinger), Woher kamen die Tapeten im Haus
Klosterstraße 7?. Warendorfer Schriften, Band 21 -24, Warendorf, 1993,
S. 452.
L. Sandmann, NRW-Stiftung fördert Tapetenrestaurierung,
Warendorfer Kiepenkerl, Nr. 59 vom Dezember 2011, S. 15 f.
A.S. Schönhagen, Tapezierte Kolonialfantasien – Auf den Spuren
der Inkas im Münsterland, in: J. Hoenes u.a., Landschaftlichkeit ...,
Berlin (Reimer), 2010, S. 173 – 182.


Kruse als Spezialgeschäft für Porzellanwaren, das Musikgeschäft Rottwinkel, Niederschmidt und Maimann als Anbieter von Schmuck, das Kaufhaus Meyer - einst der Stolz der Warendorfer Innenstadt, das Cafe Schütte, demnächst das Bekleidunggeschäft Finke - die Liste der Geschäftsschließungen im letzten und diesen Jahr ist lang. Was tritt an die Stelle der eingesessenen Warendorfer Einzelhändler? Das sind auf der einen Seite Gastronomiebetriebe der verschiedensten Art, auf der anderen Seite siedeln sich mehr und mehr Filialketten in der Innenstadt an. So befindet sich jetzt im ehemaligen Kruse-Haus ein Restaurant. Weiterlesen...
Öffnung
des dezentralen Stadtmuseums:
An Sonn- und Feiertagen von 15.00 bis 17.00 Uhr
Tapetensaal
Wiedereröffnung des
Tapetensaal (18. 1. 2009)
Restaurierung der
Tapeten im Tapetensaal (2011)
Biedermeierstube
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