150 Jahre Warendorfer Karnevalsgesellschaft WaKaGe - Tradition und Fortschritt
von Willi Schöning

Willy Schöning, Präsident der Warendorfer KarnevalsgesellschaftTeil 2: Die Jahre von 1946 bis 2006

Der Präsident Willi van Essen aber wurde getragen von energischem Durchhaltewillen.
» Ein Krieg ist vorbei. Ein Krieg, der die Welt in ihren Grundfesten erzittern ließ, der das Blut von Millionen Menschen gekostet hat, der Dörfer und Städte in Schutt und Asche legte.«
So beginnt der Bericht des Jahres 1946. Am Karnevalssamstag trafen sich sechs altgediente Karnevalisten privat bei Theo Avenstrodt, um erste Zukunftspläne zu schmieden. Noch war man aber nicht bereit, diese Pläne nach außen zu tragen, zumal viele der Kameraden gefallen waren. Dieses Gremium stellt somit auch die Geburtsstunde des Senats dar, da bis vor dem 2. Weltkrieg der Elferrat die ausübende Macht des Vereins darstellte.Wurden 1947 schon Anfänge gemacht, die geeignet waren, den Karneval in Warendorf wieder zu beleben, so schien im Jahr 1948 schließlich schon lange vor der Session der Karnevalsgedanke aufzuflammen. Die WaKaGe hielt sich jedoch zurück. Der Senat war sich einig, dass der Karnevalsgedanke erst mehr in der Bevölkerung zünden müsse. Der Wille zum Karneval müsse aus der Bevölkerung kommen. Im Nachhinein betrachtet: ein gelungener strategischer Prinz Aloys L, der ewig Lächelnde - Warendorfer Karnevalsgesellschaft

Schachzug. Vereine und andere Gruppierungen feierten Karneval, die kleine WaKaGe wurde eingeladen und glänzte dort mit ihren Büttrednern und Sängern. Jetzt konnte und musste es angegangen werden: im April 1948 wurde zur ersten Senatssitzung nach dem Kriege eingeladen. Zwei Tagesordnungspunkte standen an: Neubildung der Formationen und Karnevalsveranstaltungen 1949.Präsident Willi von Essen, Warendorfer Karnevalsgesellschaft
Das Jahr 1949 muss erwähnt werden, denn überschwänglich werden die Aktivitäten der WaKaGe gelobt. Als Aloys Robert als „Prinz Aloys L, der ewig Lächelnde" bei Heini Cordes in den Saal einzog, gab es kein Halten, die bunte Narrenschar soll auf Tischen und Stühlen gestanden haben, um ihm zu huldigen.Die nächsten Jahre sollten für die WaKaGe aber auch nicht immer
einfach sein. Hatte man zwar gute Ideen, so war es doch nicht immer einfach, Mitstreiter zu finden, die auch Verantwortung übernehmen wollten. Als Willi van Essen sein Präsidentenamt abgab, soll es keinen geeigneten Nachfolger gegeben haben, entweder lehnte der Kandidat ab oder ein anderer wurde nicht gewählt. Schließlich war es der Gastwirt Heini Cordes, der seine Bereitschaft erklärte, das Ruder in die Hand zu nehmen. Es gab aber auch Schwierigkeiten bei der Durchführung des Rosenmontagszuges. Als der Wirteverein eine zugesagte Geldsumme zur Finanzierung des Rosenmontagzuges einbehalten wollte, drohte die WaKaGe mit der Absage des Zuges. Dieses führte doch bei den Wirten zum Umdenken.Man erkannte hier rechtzeitig, dass die Organisation dieses Zuges auf andere Art und Weise geregelt werden musste. Im Jahre 1953 wurde der Bürgerausschuss zur Förderung des Rosenmontagszuges aus der Taufe gehoben. Unter der Regie von Heini Hendker wurde Richard Winkels Schatzmeisterdieses Bürgerausschusses.Richerd Winkels, Präsident der Warendorfer KarnevalsgesellschaftPrinzengarde 1952 der Warendorfer Karnevalsgesellschaft

Hier taucht erstmals der Name Richard Winkels auf, der sich in den folgenden Jahrzehnten mit unbändigem Elan für die WaKaGe und für den Karneval in Warendorf insgesamt einsetzen sollte. Unter seiner Regie konnte sich der Karneval endgültig etablieren. Jährlich fanden immer größere und prächtigere Rosenmontagszüge statt, und auch der Saalkarneval eilte, besonders natürlich auf den Prinzenproklamationen, von Höhepunkt zu Höhepunkt. 1963 wählten ihn die Aktiven zu ihrem Präsidenten.

So wundert es auch nicht, dass die WaKaGe größer wurde. Hatte sie schon immer gute Büttredner und Sänger, so sollte in der Session 1969/1970 ein weiteres Aushängeschild hinzukommen. Unter der Leitung von Renate Günnewig hatten acht junge Mädchen einen Gardetanz einstudiert, der auf der Prinzenproklamation aufgeführt wurde und tosenden Applaus bekam. Das Ballett war geboren und mit viel Fleiß und Freude am Tanz wurde diese Truppe bereits im Jahre 1973 Westfalenmeister und Zweiter der Deutschen Meisterschaft. Zwischenzeitlich ist diese Abteilung auf 108 Mädchen und Frauen, die den karnevalistischen Tanz trainieren, angewachsen. Zahlreiche Siegerplätze, Pokale und Urkunden zieren diesen unaufhaltsamen Weg nach oben.Warendorfer Karnevalsgesellschaft: Ballet 1972

Aber auch die männliche Jugend wurde rechtzeitig eingebunden. In Warendorf hatte sich 1968 unter der Führung von Otto Strotmeier eine Gruppe Jungkarnevalisten, die JUKA 441, zusammengefunden, die Karnevalsfeste für die Jugend organisierte. Warum sollten sie nicht unter dem Dach der WaKaGe mitmachen? Nach zähen Verhandlungen kam man im Jahre 1975 überein, die JUKA als weitere Formation in die Reihen der WaKaGe aufzunehmen. Wie klug diese Entscheidung war, zeigt sich heute: Wenn andere Gesellschaften oder Vereine überaltern, vergreisen und Nachwuchsmangel signalisieren, hat die WaKaGe bereits den Nachwuchs und somit potentielle Führungskräfte in ihren eigenen Reihen. Im heutigen Senat sind allein drei Positionen durch ehemalige JUKA- Mitglieder belegt.

Eine Formation wurde bisher in der Chronik noch nicht erwähnt, weil ihr ein besonderer Abschnitt zuteil werden soll. Denn mit der Geschichte der WaKaGe ist untrennbar auch der Werdegang des Elferrates verbunden. Diese Formation aus dem Jahre 1889 hat ganz entschieden die Geschicke der WaKaGe gestaltet. Zu damaliger Zeit war es nach den Überlieferungen so, dass vor allem die Wirte Sitzungen und Bälle veranstalteten - auch damals wohl schon ein gutes Geschäft. Das erste Mal meldete sich in Warendorf ein Elferrat am 16. Februar 1889 in einer Anzeige zu Wort und lud zur „Ersten großen Gala-Damensitzung" ein. Ja, wenn das kein gutes Omen war, zumal man berücksichtigen muss, dass die Damen zu damaliger Zeit wenige Rechte hatten.
Jugendkarneval der Warendorfer Karnevalsgesellschaft 1969
Der Elferrat war das zentrale Gremium und die treibende Kraft in dem Verein. Auszüge aus der ersten Satzung von 1912 belegen:
§6
Der Elfer-Rat führt die Geschäfte des Vereins und wählt unter sich seinen Vorsitzenden...
§7
Sämtliche karnevalistischen Veranstaltungen müssen in gesetzlich und sittlich erlaubter Weise gehalten werden und werden von dem Elfer-Rat streng überwacht. Ein jedes Mitglied unterwirft sich den Anweisungen und Vorschriften des jeweiligen Elfer-Rats und erkennt diesen Status als für sich verbindlich durch eigenhändige Unterschrift an.

Nach dem Kriege sollte nur noch zweimal der Karneval ausfallen, wobei diese Absagen durch die Verantwortlichen in der Bevölkerung großen Respekt erfuhren:
1962 wurde der Norden, insbesondere Hamburg, von einer Sturmflutkatastrophe heimgesucht, die Hunderte von Menschen das Leben kostete und Tausende obdachlos machte. Wahrlich keine Zeit zum ausgelassenen Feiern.
Prinzenball der Warendorfer Karnevalsgesellschaft 19771991, wenige Tage vor der Prinzenproklamation, kam es zum Golfkrieg und jedem war klar, dass nun keinem zum Feiern zu Mute war. Kurzfristig sagte die WaKaGe alle Termine ab.
Im Jahre 1992 sollte eine Ära zu Ende gehen, die seines Gleichen sucht. Richard Winkels, der den Verein seit 30 Jahren geführt hatte, übergab das Präsidentenzepter an seinen Vizepräsidenten und Hofmarschall Willi Schöning. Auch der unermüdlich für die Gesellschaft arbeitende Franz Buxbaum zog sich aus der vorderen Linie zurück. Bis zu seinem Tod war es aber für ihn die größte Herausforderung, an dem Archiv der WaKaGe zu arbeiten. Wenn die WaKaGe heute eine Vereinschronik hat, die ihresgleichen sucht, so verdankt sie es ihrem Archivar Franz Buxbaum.
Aber auch den Neuen im Senat unter Willi Schöning war klar, dass sie sich nicht auf den Lorbeeren ihrer Vorgänger ausruhen konnten. Manche neuen Ideen wurden eingebracht, der Verein musste sich den Herausforderungen der modernen Kommunikation und dem schnelllebigen Zeitgeist - unter Bewahrung der karnevalistischen Tradition - stellen. Dieses gelang den Senatoren in den letzten Jahren bravourös, so dass zuversichtlich in die Zukunft geschaut werden kann.
Bilder: Archiv der Warendorfer Karnevalsgesellschaft (c) 2007

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