Fettmarkt,
das war ein Höhepunkt in unserem Kinderleben.
Ich bin am Münsterwall aufgewachsen und erlebte
den Trubel aus nächster Nähe. Auf dem
Wilhelmsplatz fanden der Viehmarkt und die
Kirmes statt, die
Münsterstraße war auf beiden Seiten mit den
Ständen der Händler belegt und auf dem
Marktplatz boten die Bauern Kartoffeln, Kappes
und vieles mehr an. Direkt vor unserem Haus
baute der Lebkuchenbäcker Dammann aus
Harsewinkel seine große Bude auf. Er bekam von
uns Strom für die Beleuchtung des Standes. Dafür
gab es für uns Kinder am Abend eine große Tüte
Pfeffernüsse, die Spezialität des Hauses.
Ich
erinnere mich noch heute an den köstlichen
heißen Berliner, den Frau Werner meiner
Schwester Maria und mir einmal schenkte. Sie
hatte vor ihrem Haus an der Münsterstraße einen
Stand aufgebaut und verkaufte Berliner für ihren
Sohn, der eine Bäckerei in der Brünebrede hatte.
Manchmal verkaufte der Sohn auch selber.Der
Böttcher und Küfer Berger von der Molkenstraße
bot seine Holzerzeugnisse an: Holzfässer für
Sauerkraut, Butterfässer, Waschfässer und Wannen
jeder Größe und alle Holzgeräte für Haus und
Hof. Daneben stand in jedem Jahr der Wagenbauer
Schwarte von der Brünebrede. Hier suchte man
sich die neue Kutsche, den zweirädrigen Gig oder
den neuen Bollerwagen aus.
Das alles registrierten wir nur im Vorbeigehen.
Unser wichtigstes Ziel war die Kirmes. Von
unseren Eltern hatten wir 50 Pfennig Kirmesgeld
bekommen und unser Besuch bei Onkel Bernhard
hatte uns noch einmal 50 Pfennig eingebracht.
Eine ganze Mark – jetzt träumten wir von 10 mal
Kettenkarussell fahren. Zuerst kamen wir an dem
herrlich bunt bemalten Kinderkarussell vorbei,
die kleinen Sitzbänkchen waren mit vielen
Spiegeln zauberhaft verziert. Auf den
Holzpferdchen ritten stolz die Kleinen ihre
Runden. Opa fuhr zur Sicherheit mit und stützte
den Rücken.
Schwerarbeit musste das Pferd leisten, das
den ganzen Tag um die Mittelachse des
Kinderkarussells trottete und es so zum Drehen
brachte. Nur beim Ein- und Aussteigen der
kleinen Gäste hatte das Tier eine kurze
Verschnaufpause. Erst Ende der Zwanziger Jahre
gab es elektrischen Antrieb für die Karussells.
Unser erstes Ziel war die „Kaffeemühle“. In
einer Trommel, etwa einen halben Meter hoch,
saßen zwei Kinder auf dem Rand und drehten im
Uhrzeigersinn das kleine Rad in der Mitte. Die
Trommel drehte sich in Gegenrichtung. Mit dem
Rad konnte man das Tempo bestimmen. Je
schneller, um so schöner! Später gab es den
„Teller“ auch die „Scheibe“ genannt. Das war ein
besonderes Gaudi und für junge Leute eine Art
Sport. In einem großen Zelt stand eine drehbare
Scheibe mit einem Durchmesser von 7-8 Metern.
Die Mitte war etwas erhöht. Rund um die Scheibe
herum war ein gepolsterter, ca. 50 cm hoher Rand
angebracht. Beim Startpfiff kletterten die
Jugendlichen über diesen Rand und suchten sich
einen Platz möglichst weit in der Mitte. Unter
lauter Musikbegleitung begann sich die Scheibe
zu drehen. Erst langsam, dann immer schneller.
Die außen Sitzenden wurden schnell an den Rand
geschleudert. Das Gejuchze wurde immer lauter,
die Platte drehte sich schneller und leerte sich
schneller. Erst wenn der Letzte aufgeben musste,
war das Spiel zu Ende und der Sieger wurde
lautstark gefeiert. Eine spannende Attraktion!
Dann gingen wir zur Schiffschaukel ! Am
schnellsten brachte man die Schaukel zu Zweit in
Schwung. Wir schaukelten so lange, bis sie fast
waagerecht stand. Unsere Mutter sagte uns immer,
das sei ein Sport für Jungen! Ich glaube, sie
wollte nicht gern, dass unsere Röcke so flogen.
Hosen gab es damals für Mädchen noch gar nicht.
Und dann der Höhepunkt: Das Kettenkarussell! Wie
herrlich war es, fest in dem Kettensitz sitzend,
durch die Luft zu fliegen. Wir überblickten den
Kirmesplatz, konnten unser Haus und die
Marienkirche sehen - uns lag ganz Warendorf zu
Füßen. Darauf hatten wir uns so lange gefreut
und zahlten gern noch einmal 10 Pfennig für
dieses Vergnügen.
Eine unserer Freundinnen sagte einmal: „Ach wäre
ich doch ein Kettenkarussellkind, dann könnte
ich immerzu mit dem Kettenkarussell durch die
Luft fliegen.“ In der Schule hielt sie dann
Ausschau nach den „Kirmeskindern“, die während
ihres Aufenthaltes in Warendorf unsere Schule
besuchten. Vielleicht war ja ein
Kettenkarussellkind dabei!
Schade, bald war unser Kirmesgeld zu Ende. Also
gingen wir auf den eigentlichen „Fettmarkt“.
Hier verkauften die Bauern ihre fetten Tiere. In
Gehegen und Käfigen sahen wir eine reiche
Auswahl von Schweinen, Schafen, Hühnern und
Kaninchen. An Eisenstangen waren Pferde, Kühe,
Kälber und Ziegen angebunden. Es wurde gehandelt
und gefeilscht und jeder Kauf mit einem Schnaps
begossen. Zur Stärkung gab es zwischendurch eine
deftige Portion Töttchen mit einem Brötchen.
Mutter Hagemeyer hatte vor der Metzgerei am
Wilhelmsplatz einen Töttchen- und
Knackwurststand aufgebaut.
Für den Erlös des verkauften Viehs deckten sich
die Bauern sofort mit dem notwendigen Bedarf an
Hausrat und Winterbekleidung ein. Im Textilhaus
Hunkemöller an der Oststraße konnte man solide
Wintersachen für die ganze Familie und auch
Betten in guter Qualität einkaufen. Besonders
beliebt war die warme Bleyle-Unterwäsche in
unverwüstlicher Qualität. Kleine Jungen
verteilten überall in der Stadt Reklamezettel
und machten darauf aufmerksam, dass von der
Stadtmitte aus kostenlose Kutschfahrten zu
Hunkemöller am Osttor angeboten wurden.
Wir schoben uns mit viel Vergnügen und Drängeln
– das machte uns besonders viel Spaß - durch die
Menge auf der Münsterstraße. An der Ecke vor
Breuers Haus stand viele Jahre lang eine ältere,
wohlbeleibte Frau mit ihrer Drehorgel unter
einem Sonnenschirm. Sie sang mit kräftiger
Stimme moderne Schlager und altbekannte
Moritaten. Für 10 Pfennig verkaufte sie den Text
ihrer Lieder, damit die begeisterten Zuhörer
mitsingen konnten, was wir auch kräftig taten.
Daneben stand ein Entfesselungskünstler mit
seinem Eisenkäfig, in dem er sich anketten und
einsperren ließ. Zum Erstaunen der Zuschauer
konnte er sich jedes Mal wieder befreien.
Zu dieser Gruppe gehörten auch zwei Ringer, die
ihre Kräfte zeigten. An vielen Ständen in der
Münsterstraße blieben wir stehen, um die
lustigen Anpreisungen der Marktschreier hören.
Unsere letzte Station war der Marktplatz. Hier
trafen wir unsere Mutter, die gerade bei ihrem
Kartoffelbauern 20 Zentner Kartoffeln für den
Winter bestellte. Ihren Bollerwagen hatte sie
schon hoch beladen mit Kappes-Köppen, die sie
von dem großen Wagen vor der Apotheke gekauft
hatte. Nun wussten wir: In den nächsten Tagen
beginnt die Sauerkrautproduktion. Die Tontöpfe
standen schon frisch gereinigt bereit, die
kleinen Leinentüchlein waren fertig
zugeschnitten. Für zwei Stunden mieteten wir
dann bei Borgmann in der Königstraße die
Sauerkrautschabe. Alle Kinder mussten beim
Hobeln helfen und beim Stampfen des Krautes im
Tontopf. „Es muss sich so viel Krautsaft bilden,
dass die obere Schicht Kraut im eigenen Saft
steht,“ schärfte uns unsere Mutter ein. War das
geschafft, deckten wir alles mit dem
Leinentüchlein ab und beschwerten die Krautmasse
mit einem blitzblanken Marmorstein. Nach drei
Wochen konnten wir das erste Sauerkraut essen.
Das waren bei uns die Nachwirkungen vom
Fettmarkt.
Bilder: Archiv der Altstadtfreunde Warendorf und
Archiv Haunhorst
Die Autorin Eugenie Haunhorst geb. Göcke
wurde 1912 in Warendorf geboren und wuchs in
einer Lehrerfamilie mit vier Geschwistern auf.
Im Alter von 90 Jahren begann sie, Erinnerungen
aus ihrem Leben im Warendorf der 1920er Jahre
aufzuschreiben. Sie starb 2016 im Alter von 103
Jahren.
alle Rechte vorbehalten: Eugenie Haunhorst 2006

Wohnen. Arbeiten und Verweilen in der Warendorfer
Altstadt. Ist die Altstadt zukunftsfähig? Wie soll unsere
Stadt sich weiterentwickeln und wie soll sie aussehen?
Welche Rolle spielt der Denkmalschutz, welche Rolle spielt
aber auch die erhaltenswerte Bausubstanz? Brauchen wir oder
wünschen wir uns Neubauten? Diese Fragen stehen immer wieder
im öffentlichen Gespräch. Die Meinungen gehen weit
auseinander und sind meistens kontrovers.
Der Heimatverein und die Altstadtfreunde sehen es
als ihre Aufgabe an, sich mit dem über 6 Jahrhunderte
gewachsene bauliche Erbe und den immer wieder veränderten
Ansprüchen einer Stadtgesellschaft auseinanderzusetzen
Von den ca. 600 Häusern steht die Hälfte unter
Denkmalschutz. Für diese gelten klare Kriterien und Vorgaben
entsprechend dem Denkmalschutzgesetz. Viele der weiteren 300
Häuser sind es wert erhalten zu werden. Doch was sind die
Kriterien, die erfüllt sein müssen, um ein Gebäude zu
erhalten? Und warum benötigen wir Neubauten?
Laurenz Sandmann wird den Versammelten anschaulich
darlegen, mit welchen verschiedenen Sichtweisen die Altstadt
wahrgenommen werden kann und welche Konsequenzen die
Eingriffe in das historische Stadtbild bedeuten. Das Wohnen
und Wirtschaften in der Altstadt müssen bei allen
planerischen Überlegungen eine genauso große Rolle spielen,
wie der Verkehr und die Aufenthaltsqualität.
Bild: Matthias M. Rinschen
Cynthia Chisum (li.) mit Freundin vor dem Gadem im Zuckertimpen
1825
siedelte der Harsewinkeler Weber Jacob Lackamp anlässlich seiner ersten
Heirat nach Freckenhorst. Zwei weitere Ehen folgten in Freckenhorst, wo
er 1867 starb. Zwei seiner Kinder aus der dritten Ehe, August und
Bernard, wanderten mit ihrer Mutter nach 1874 nach Amerika aus,
wohl weil sie in Freckenhorst wirtschaftlich keine Zukunft mehr sahen,
denn die Handweberei wurde inzwischen durch industrielle
Produktionsformen abgelöst.
Eine Ururenkelin, Cynthia Chisum aus Santa Monica, besuchte nun
Warendorf und hatte sich an den Heimatverein Warendorf gewandt. Da das
Freckenhorster Haus ihres Vorfahren in Freckenhorst nicht mehr
existiert, besuchte sie das Gadem am Zuckertimpen, um sich einen
ungefähren Eindruck von den Wohnverhältnissen eines Hauswebers im 19.
Jh. machen zu können. Es folgte unter Führung des Heimatvereins eine
Fahrt nach Freckenhorst, wo man sich die ehemalige Wohnstätte vorstellen
konnte, die heute nicht mehr vorhanden ist. Heute nämlich ist dort nur
noch eine Rasenfläche. Eine Fahrt nach Harsewinkel, wo Jacob in St.
Lucia 1798 getauft worden war, rundete den Besuch ab. Cynthia zeigte
sich sehr beeindruckt von den Führungen durch den Heimatverein.
Photo: Fahlbusch 30.9.2026 (Abbildungserlaubnis der beiden Personen liegt vor.
Natürlich sind am Tag des offenen Denkmals die Standorte des Stadtmuseums Warendorf mit historischem Rathaus, Tapetensaal und Gadem besondere Anziehungspunkte für alle Besucher aus Nah und Fern. Aber diie Atmosphäre im Gadem ist schon eine ganz besondere, speziell wenn Marie-Luise Mönnigmann mit ihrem Team Celine Wolff, Angelika und Albrecht Schänzer, Martha Redemann, Werner Bollmann und Jutta Dick über dem mit Holz befeuerten Küchenherd frische Waffeln backt. So konnten die viele Besucher eintauchen in die Welt des späten 19. ud frühen 20. Jahrhunderts und staunend bewundern, unter welchen einfachen Bedingungen Menschen in dieser Epoche ihr Leben verbrachten: Ohne Telefon, Fernseher und Radio, ohne Waschmischine und Zentralheizung und trotzdem glücklich und zufrieden. Ein gelungener Sonntagnachmittag im Gadem.
Celina
Wolff präsentiert die warmen Waffeln, die dann in
gemütlicher Runde verzehrt werden
Die Warendorfer Schriften Bd. 55/56
erscheinen im Dezember 2026.
Sie widmen sich in Gänze dem
Nordrhein-Westfälischen Landgestüt und
stellen den Beitrag des Heimatvereins zum
200jährigen Jubiläum dar.
Vorwort des Herausgebers
Wilhelm Veltmann (+ 2006)
Ein Krimi aus vergilbten Akten – Die schwere Geburt
des Landgestüts zu Warendorf
Lothar Engelbert Schücking (+ 1943)
Heinrich Köhne und die ersten Zeiten des
Warendorfer Landgestüts
Zwischen Landgestüt, Kirche und preußischem Staatsdienst
Petra Sondermann und Alfred G. Smieszchala
Zwischen Landgestüt, Kirche und preußischem
Staatsdienst
Die Familie des ersten Warendorfer Landstallmeisters Johann
Heinrich Köhne
Friedrich Bernward Fahlbusch
Über die Leiter des Landgestüts Warendorf im 19.
Jahrhundert – Biographische Anmerkungen
Petra Sondermann und Alfred G. Smieszchala
Mit den ersten Hengsten nach Warendorf
Herkunft und Lebenswege der Gestütknechte von 1826
Thomas Hartwig
200 Jahre Landgestüt Warendorf
Einst und heute unverzichtbar
Klaus Gruhn
Der „Königliche Gestüt-Marstall“ und das Gymnasium
Laurentianum Warendorf
Buchbesprechung
Vereinsmitglieder erhalten den Band kostenfrei. Um
die Auflage kalkulieren zu können, werden andere
Interessenten gebeten, Vorbestellungen beim Heimatverein per
mail (
vorstand@heimatvereinwarendorf.de ) vorzunehmen.

Mit den sieben Gestüt-Leitern im 19.
Jahrhundert befasste sich ein Vortrag, zu dem
der Heimatverein in Zusammenarbeit mit dem
Westpreußischen Landesmuseum eingeladen hatte.
Der Vortrag stellte einen der Beiträge des
Heimatvereins zum Jubiläum „200 Jahre
Landgestüt“ dar und war zugleich in die
Trakehnen-Ausstellung des Museums integriert.
F. Bernward Fahlbusch zeichnete aber
nicht nur die Lebensläufe der Direktoren,
sondern vermittelte auch grundlegende
Informationen über die Organisation des
preußischen Gestütswesens im 19. Jahrhundert und
die verwickelte Vorgeschichte der Warendorfer
Institution, denn erst im Juli 1825 wurde
Warendorf als Standort überhaupt in Erwägung
gezogen.
Erstmals konnte dabei ein Portraitbild
des zweiten Leiters, des Landstallmeisters
August v. Schwichow, öffentlich gezeigt werden.
Dieser Leiter, der 1847 nach Trakehnen versetzt
wurde, war ganz wesentlich dafür verantwortlich,
dass in Ostpreußen nun der Typ des Trakehner
Pferdes mit einem hohen (englischen)
Vollblutanteil herangezüchtet wurde. Unbekannt
war bisher auch, dass August v. Schwichow mit
der Sassenbergerin Maria Gertrud Kock einen
unehelichen Sohn hatte.
Waren es im Februar 1826 nur 24
Hengste, die erst einmal für beide Westprovinzen
Preußens ausreichen mussten, so wuchs die
Hengstzahl sehr schnell, um ab ca. 1870
regelmäßig knapp unter 100 zu betragen.
Naturgemäß befasste sich der Vortrag denn auch
mit dem Neubau des Gestüts ab 1883 auf dem
heutigen Gelände. Zu verdanken war dieser dem
gemeinsamen Wirken des Leiters Erich v. Heuser
(1877-1887) und des Bürgermeisters Wilhelm
Diederich, der trotz angespannter Haushaltslage
durchsetzte, dass städtische Mittel für den
Grunderwerb bereitgestellt wurden, - eine
fürwahr weitsichtige Entscheidung.
Fünf der sieben Leiter hatten vorher
als Kavallerie-Offiziere unterschiedlich lange
Truppendienste geleistet, alle sieben waren
evangelischer Konfession, aber ansonsten
unterschieden sie sich in vielerlei Hinsicht, so
dass es nicht möglich ist, einen bestimmten
Typus zu entwickeln, - außer: Alle wurden
seitens der Verwaltung intensiv auf ihre
verantwortungsvolle Tätigkeit vorbereitet.
Grundlage des Vortrags ist eine
Darstellung, die mit allen nötigen Nachweisen
versehen in dem nächsten Band der Warendorfer
Schriften erscheinen wird.
Am Freitag, den 17.2.1826 gegen 15.00, trafen in Warendorf die ersten
24 Hengste für das neu errichtete Hengstdepot (Landgestüt) ein. Sie
waren zuvor in Neustadt/Dosse zusammenzogen worden: 14 aus dem
Lithauischen Hauptgestüt, 2 aus Neustadt, 2 aus Graditz und 6 aus
Privatgestüten, zudem 2 Zugpferde. Per Wagen wurden v.a. die
Schmiedeutensilien transportiert. Wegen strenger Kälte war der Abmarsch
in Neustadt um einige Tage auf den 1.2. verschoben worden. Üblicherweise
war jeder 4. Tag ein Ruhetag, so dass im Schnitt pro Tag 30 km bewältigt
wurden. Da der Winter 1825/26 in Westfalen ungewöhnlich warm (und
regenreich) war, darf man von einem Transport ohne Zwischenfälle
ausgehen.
Seit 1816 hatten sich die Oberpräsidenten der neuen preußischen
Provinzen (Westfalen und Rheinprovinz), besonders der Münsterer
Oberpräsident Frhr. Vincke, bemüht, ein Landgestüt zur Verbesserung der
hiesigen Pferdezucht zu erhalten. 1824 genehmigte die Regierung in
Berlin endlich eine solche Einrichtung. Als Standort war lange Zeit
Schloss Benrath bei Düsseldorf vorgesehen, aber als im Frühjahr 1825 der
Warendorfer Kavalleriestall durch Verlegung der Kürassiereskadron in die
neu gebaute Kaserne in Neuhaus (bei Paderborn) frei geworden war, geriet
ab August 1825 Warendorf als sofort nutzbarer Standort in die
Überlegungen und bekam letztlich (gegen Liesborn) den Zuschlag.
Geführt wurde der Zug vom Neustädter Gestütsinspektor Heinrich Köhne.
Begleitet wurde er von seinem Sattelmeister August Ferdinand Huth und 9
aus Neustadt sowie 3 aus Graditz abgeordneten Gestütsknechten. Sie
trafen rechtzeitig ein, um die erste Decksaison in Westfalen und
Rheinland zu bestreiten. Voller Begeisterung meldete noch am 17.2. der
Warendorfer Landrat, dem die Dienstaufsicht vor Ort übertragen war, das
Eintreffen dem Oberpräsidenten Vincke in Münster und betonte besonders
den Gesundheitszustand und die Qualität der Hengste. Vincke selber traf
bereits am folgenden Sonntag in Warendorf ein, Köhne zu begrüßen und das
Ergebnis der jahrelangen Bemühungen in Augenschein zu nehmen.
F. Bernward Fahlbusch
Schrifttum: F. Bernward Fahlbusch, Die Warendorfer
Gestütsleiter im 19. Jh. – Biographische Anmerkungen, in: Warendorfer
Schriften 55/56, 2026 (im Druck).
Bild: M. Rinschen (2011)

Das Nordrhein-Westfälische
Landgestüt Warendorf blickt inzwischen
auf eine mehr als 180-jährige Geschichte
zurück. 1826 wurde es auf Wunsch der
Züchter Westfalens und der Rheinprovinz
gegründet und war damit das erste
Preußische Landgestüt im Westen. Nach
Kriegsende ging es in den Besitz des
Landes Nordrhein-Westfalen über und ist
heute dem Ministerium für Umwelt und
Naturschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz des Landes
Nordrhein-Westfalen zugeordnet. Die
Aufgabe des Landgestütes ist jedoch seit
seiner Gründung im Grundsatz unverändert
geblieben. Sie besteht darin, den
Pferdezüchtern qualitätvolle und
genetisch interessante Hengste gegen ein
angemessenes Deckgeld zur Verfügung zu
stellen. Oberstes Ziel ist dabei der
Zuchtfortschritt.
Dem Gestüt angegliedert ist die Deutsche
Reitschule. Sie ist das „Zentrum der
Berufsreiterei“, und bietet
Fortbildungs- und Prüfungslehrgänge für
Berufsreiter, Amateure und
Turnierfachleute an.
Die Decksaison dauert von Februar bis
August. In dieser Zeit steht ein Teil
der Hengste auf den 22 Deckstellen bzw.
Besamungsstationen in Westfalen und im
Rheinland. Zu den Kunden zählen aber
auch Züchter aus anderen Teilen
Deutschlands, aus ganz Europa, den USA
und Australien und seit kurzem sogar aus
Vietnam.
Nachkommen von
Warendorfer Vererbern sind begehrt und
Partner für alle Sparten des
Pferdesports.
Neben dem Zuchteinsatz werden zahlreiche
Warendorfer Hengste auch auf Turnieren
vorgestellt und sind von den Basis- und
Aufbauprüfungen bis hin zur schwersten
Klasse erfolgreich. In diesem Jahr
nahmen Landbeschäler unter anderem bei
den Bundeschampionaten („Deutsche
Meisterschaften der jungen Pferde“), und
den Weltmeisterschaften junger
Dressurpferde teil. Auch bei dem
Pferdesportereignis des Jahres 2006, den
Weltmeisterschaften in Aachen, waren
Warendorfer Hengste dabei: Allein 18
Hengste plus Reiterinnen und Reiter
stellte das NRW-Landgestüt für die große
Dressurquadrille der deutschen
Landgestüte zur Eröffnung der WM.
Anmerkung des Heimatvereins Warendorf:
Seit
mehr als zehn Jahren wird das Gestüt von
der Diplom-Agraringenieurin Susanne
Rimkus geleitet. Sie ist die erste und
bisher einzige Landstallmeisterin
Deutschlands und „Herrin“ von rund 100
zuchtaktiven Hengsten. Neben den
Warmbluthengsten und den beiden
Vollblütern stehen auch eine stattliche
Anzahl an Kaltbluthengsten und ein
Sennerhengst in den Ställen des Gestüts.
Bei diesen Rassen liegt der
Aufgabenschwerpunkt im Erhalt von
wertvollen Genen. Etwa 70
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die
Hälfte davon sind Beamte, betreuen und
versorgen die Hengste. Hinzu kommen 20
Auszubildende, die hier den Beruf des
Pferdewirtes Schwerpunkt Reiten oder
Schwerpunkt Zucht und Haltung erlernen.
Mit
Ausnahme der bayerischen Absolventen
muss hier jeder künftige Pferdewirt –
Reiten seine Abschlussprüfung ablegen,
auch internationale Reitsportgrößen wie
etwa Marco Kutscher oder Christian
Ahlmann haben in der Deutschen
Reitschule ihren Bereiter „gemacht“. Da
nicht jeder der Prüflinge über ein
eigenes Pferd verfügt, gehören etwa 50
Hengste und Wallache zum
Lehrpferdebestand der Schule. Insgesamt
bietet das Landgestüt auf seinem acht
Hektar großen Gelände an der
Sassenberger Straße Platz für 160
Pferde.
Bei
vielen Olympiasiegern, Welt- und
Europameistern finden sich die Namen von
Warendorfer Landbeschälern in den
Ahnentafeln.
An
drei Sonntagen und einem Mittwoch
– jeweils Ende September / Anfang
Oktober – lädt das Landgestüt Warendorf
jährlich zu seinen traditionellen
Hengstparaden ein. Mitte August hat das
Open Air Festival, bestehend aus der
„Symphonie der Hengste“ mit klassischer
Musik, dem Familientag und einem
Live-Popkonzert, inzwischen ebenfalls
einen festen Platz im
Veranstaltungskalender gefunden. Jedes
Zuchtjahr wird zudem mit einem „Tag der
offenen Tür“ eröffnet, zu Beginn der
Decksaison stehen auch zahlreiche
Hengstschauen, wie etwa die „Warendorfer
Züchtersonntage“, auf dem Programm. Aber
auch an ganz „normalen“ Tagen ist das
Landgestüt immer einen Besuch wert: Die
Außenanlagen können jederzeit besichtigt
werden, die denkmalgeschützten
Stallgebäude sind während der
Dienstzeiten ebenfalls für jedermann
zugänglich.
Überblick über die Geschichte des
Landgestüts seit 1826
Der Heimatverein Warendorf dankt der
Leitung des Landgestüts dafür, dass sie
die Informationen und die Bilder von
dieser bedeutenden Warendorfer
Institution für seine Website zur
Verfügung gestellt hat.
Text und Bilder: NRW Landgestüt (c) 2007
1952 bis 1957 war bereits im Langestüt
Redefin mit Herta Steiner eine Frau mit
der Leitung betraut. Redefin war
damals ein Landgestüt in der DDR.
(Quelle: Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Landgest%C3%BCt_Redefin
)
Hier zum Herunterladen:
Der neue KIEPENKERL 2025
Erinnerungen von Mechtild Wolff
Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Warendorf
Die Affhüppen-Kapelle – eine architektonische Schönheit der
Neugotik in Vohren
von Mechtild Wolff
Vortrag von Dr. Dirk Ziesing (Bochum):
"Warendorf – Westpreußen – Waterloo"
Das
Josephs-Hospital - eine lange Erfolgsgeschichte mit
ungewissem Ende
von Mechtild Wolff
Franz Joseph Zumloh, Wohltäter in großer Not
von Mechtild Wolff
Stellungnahme des Heimatvereins Warendorf zum Bau der neuen Bundesstraße B64 n (Umgehung Warendorf)
Das Dezentrale
Stadtmuseum
ist in der Regel an Sonntagen von 15:00 - 17:00 Uhr geöffnet. Dazu
gehören das Rathaus, das Bürgerhaus Klosterstraße 7 mit den
handgedruckten Bildtapeten und das Gadem am Zuckertimpen 4
Der Eintritt ist frei.

