Erlebte Geschichte in Warendorf
Die Flussbadeanstalt
von Eugenie Haunhorst

 

 

„So läuft sie denn seit Jahrhunderten durch das weite Land, die gute alte Ems. Auch an der Stadt Warendorf fließt sie vorüber und hat immer regen Anteil am Leben der Stadt genommen. Ja, sie prägte unser Stadtbild.“ So schrieb Paula Telker, Tochter des ersten Bademeisters Josef Telker.

Die Ems bot früher den Bewohnern der Stadt Warendorf die einzige Möglichkeit, sich an heißen Tagen durch ein kühles Bad zu erfrischen. Baden oder sogar schwimmen im Fluss war jedoch sehr gefährlich, denn die Untiefen der Ems wechselten nach jedem Hochwasser.
Auch Kahnpartien waren sehr beliebt. So starteten 1882 einige junge Männer zu einer Bootsfahrt von Warendorf nach Telgte. Es ging um eine Wette. Nach 3,5 Stunden hatten sie Telgte erreicht und die Wette gewonnen. Beim Gang durch die Stadt erblickten sie ein Schild mit der Aufschrift:
„Aktion Badeanstalt Telgte“ Man war begeistert von der Idee. Was die Telgter können, müsste den Warendorfern auch gelingen. Es wurde viel diskutiert, dafür und dagegen. Ein ganz Altkluger meinte:

„ Jäe, jäe! Laot dat Water ut den Buuk un den Buuk ut dat Water“.
(Ja, ja, lass das Wasser aus dem Bauch und den Bauch aus dem Wasser.)

Heimatverein Warendorf: Die Warendorfer Flussbadeanstalt 1886Der wohlgemeinte Rat wurde nicht befolgt. In der Stadt wohnte der Rentner Oskar Eylardi. Er war ein aufgeschlossener Mann und hatte für gemeinnützige Angelegenheiten ein offenes Ohr. Es gelang ihm eine „Warendorfer Badeanstalt AG“ zu gründen. So kam die Sache in Schwung.

Die Badeanstalt sollte in die Ems gebaut werden, oberhalb der Stadt an der Klosterpromenade in der Nähe des Bentheimer Turms, wo heute das Marienheim steht. Es wurde eine Floßbadeanstalt geplant, ein auf Tonnen schwimmender Bretteraufbau. Die Firma Ahmerkamp wurde mit den Bauarbeiten betraut. Am 13.Juni 1886 konnte die Floßbadeanstalt feierlich eröffnet werden.
Trotz aller Unkenrufe hieß es nun:

Laot dat Water ut den Buuk
un den Buuk ut dat Water.
De Düwel hal dat aolle Gequater!
Water von innen un buten hölt jung.
Harin in de Iemse met frisken Sprung.
Doch miärk: Hier wet kien Undocht driewen,
süß wett ju dat Fell afriewen.

Lass das Wasser aus dem Bauch
und den Bauch aus dem Wasser.
Der Teufel hole das dumme Gerede.
Wasser von innen und außen hält jung.
Herein in die Ems mit frischem Sprung.
Doch merkt, hier wird kein Unsinn getrieben,
sonst wird Euch das Fell abgerieben.


So ging der Badebetrieb los. Josef Telker wurde erster Bademeister und sorgte für die nötige Ordnung und das Wohl seiner Badegäste. Seine Frau half ihm dabei. Herr Telker hatte während seiner Militärzeit bei den 13ern in Münster seine Schwimmmeister-Prüfung abgelegt. Vielen Warendorfern hat er die Schwimmkünste beigebracht.

Wie sah die Badeanstalt aus?
Sie schwamm auf Tonnen, die zwischen Balken festgehalten wurden. Das gesamte Floß war mit Ketten zu beiden Seiten am Ufer der Ems befestigt. Das Bassin war der Mittelpunkt der Anlage und wurde von den Ankleidezellen umgeben. Durch Holzgitter floss das Emswasser in das Bassin. Für die Freischwimmer öffnete sich an der Ostseite eine große Tür zur freien Ems. Rote Fähnchen am Ufer steckten die Grenzen für die Freischwimmer ab, wenn auch mancher Schwimmer in Versuchung kam, etwas weiter um die Ecke zu schwimmen.

Es gab neben dem großen Schwimmbecken noch einzelne kleine Badekabinen. Sie lagen am Ende des schwankenden Holzsteges. Da ein Badezimmer in der Wohnung noch eine große Seltenheit war, erfreuten sich die Badekabinen großer Beliebtheit. Meine Mutter hat mich als kleines Mädchen oft mitgenommen in dieses Reinigungs- und Erfrischungsbad. Der kleine Raum hatte bis zur Hälfte einen Bretterboden mit einer Sitzbank, auf der man auch die Kleider ablegte. Über eine steile Leiter stieg man in das Emswasser und stand auf einem Holzboden. Frisches Wasser floss ständig durch die Holzlatten. Beim ersten Mal rutschte ich auf dem glatten Holz aus und lernte das Wasser von unten kennen. Mutter zog mich schnell hoch. Der Schrecken war groß, konnte aber meine Freude am Plantschen im Wasser nicht trüben. Vergessen habe ich diesen Schreck nie.

Die Badezeiten waren streng geregelt. Herren- und Damenbaden wechselten sich ab.
Die Badefreudigkeit der Jugend war besonders groß. Die Mädchen durften von 2 bis 4 Uhr baden, von 4 bis 6 Uhr waren die Jungen an der Reihe. Schon lange vor 2 Uhr standen wir Mädchen vor dem verschlossenen Badeanstaltstor in der Promenade, bis der Bademeister mit dem Schlüssel kam. Wenn Vater Telker oder auch seine Frau in Sicht waren, teilte sich die Mädchenschar und bildete eine Gasse. Frau Telker war immer dunkel gekleidet, trug einen langen Rock und mit einer Schürze. In unseren Augen war sie eine sehr alte Frau. Am Arm hatte sie ein Körbchen mit der Kaffee-Mahlzeit.
Wie der Sturmwind sausten wir in die Umkleidekabinen und dann ins Wasser. Wir wollten keine Minute vergeuden. Zwei Stunden vergingen schnell.
Heimatverein Warendorf: Spielplatz der Warendorfer Flussbadeanstalt um 1920Die meisten Kinder lernten Schwimmen ohne offizielle Anleitung. Es gehörte einfach dazu wie das Radfahren. Unserem Vater - er war Lehrer an der Münsterwallschule - war es aber eine wichtige Aufgabe, den Schülern im dritten und vierten Schuljahr das Schwimmen beizubringen. Die Warendorfer Kinder spielten nämlich gern in der Nähe der Ems, und leider ertranken immer wieder Kinder in dem tückischen Fluss. Die wechselnden Tiefen der Ems waren eine große Gefahr für die Nichtschwimmer.
Im Sommer wurde die Sportstunde ins Freibad verlegt. Vater trug dann einen ganz modernen Badeanzug aus schwarzer Wolle, ähnlich wie ihn die Damen trugen, nur ein Träger wurde über die Schulter gelegt, der andere fiel locker herunter. So war es schick in den Zwanziger Jahren.
Der Aufbau der Floßbadeanstalt im Frühjahr und der Abbau im Herbst verursachten jedes Jahr große Kosten. Nach 40jährigem Betrieb der Floßbadeanstalt suchte man eine nicht so aufwändige Lösung.

Die neue Flussbadeanstalt
Am 14. April 1926 wurde die neue Flussbadeanstalt eröffnet. Bademeister Telker und seine Frau feierten gleichzeitig ihr 40-jähriges Dienstjubiläum. Ihnen war es zu verdanken, dass in all den Jahren kein Unglücksfall in der Emsbadeanstalt Heimatverein Warendorf: Warendorfer Flussbadeanstalt - Sprungbretter um 1926vorgekommen war.
In der neuen Badeanstalt waren die Ankleidezellen nun um eine Liege- und Spielwiese herum gebaut. Das Bassin wurde in das Ufer gemauert, nur die Emsseite hatte ein Holzgitter zum Einlass des Wassers. Mit einem dicken Seil war das Becken für Nichtschwimmer und Schwimmer geteilt, der Zementboden war entsprechend schräg gebaut.  Neben dem Becken führte eine Treppe in die freie Ems. Man musste einen Freischwimmschein vorweisen können, um in der „ freien Ems“ schwimmen zu dürfen. Die Freischwimmer durften auch die Sprungbretter benutzen und einen „ Köpper“ vom Ein-Meter-, Zwei-Meter- oder Drei-Meter-Brett machen. Mitten in der freien Ems lag ein langer, glatter Baumstamm verankert. Mit all diesen Möglichkeiten war das Baden ein großes Vergnügen für Jung und Alt.


Eine Neuerung sorgt für Unruhe in der Bevölkerung: Unsere Badeanstalt wurde zum Familienbad. Das Baden nach Geschlechtern getrennt hatte ein Ende. Jetzt konnten endlich die Familien gemeinsam zum Schwimmen gehen. An heißen Sommertagen gab es so Heimatverein Warendorf: Warendorfer Flussbadeanstalt 1926viele Badefreunde, dass auf der Liegewiese kaum ein freier Platz zu finden war. Sorgen machte die zunehmende Verschmutzung des Emswassers. In früheren Jahren konnten wir den Stein, nach dem wir tauchen wollten, auf dem Grund der Ems liegen sehen.
Bis 1933 sorgte das Ehepaar Telker für Ordnung in der Flussbadeanstalt, wegen des großen Andrangs mit Hilfe von Tom Schmillenkamp, der nach dem Tod von Josef Telker neuer Bademeister wurde.

In der Kriegs- und Nachkriegszeit wurde unser Freibad unter wechselnder Leitung geführt. Viele Warendorfer erinnern sich lebhaft an die Bademeister Bernhard Kieskemper, Lörchen und Otto Kamphans. Über 70 Jahre lang hat die Flussbadeanstalt vor allem der Warendorfer Jugend in den Sommermonaten viel Freizeitspaß gebracht. Die Ems lieferte unermüdlich und kostenlos frisches Wasser.

1956 war dann das Baden im Flusswasser nicht mehr zeitgemäß und die Flussbadeanstalt wurde geschlossen. Die Stadt Warendorf errichtete 1959 auf der anderen Emsseite ein modernes Freibad.

Den Mitgliedern der „Warendorfer Badeanstalt-Aktien-Gesellschaft“ ist es zu verdanken, dass Warendorf schon frühzeitig einen geregelten Badebetrieb hatte. Seit 1919 war Hermann Josef Brinkhaus ihr rühriger, langjähriger Vorsitzender.
Heimatverein Warendorf: Flussbadeanstalt - BadevergnügenErst 1936 übernahm die Stadt die Warendorfer Badeanstalt AG.
Die Warendorfer Bürger haben diesem tatkräftigen Vorstand auch die Einrichtung einer Warmwasser-Badeanstalt zu verdanken. Es gab damals in den Häusern nur wenige Badezimmer, darum war es wichtig, auch im Winter öffentliche Bademöglichkeiten anzubieten.

1909 wurde an das Wohnhaus der Familie Telker im Zuckertimpen 14 eine kleine Warmwasser - Badeanstalt angebaut. Die Anlage bot vier Wannenbäder und sechs Duschen an. Sie war ganzjährig geöffnet, außer im Hochsommer.
Mein Vater nahm oft ein Wannenbad, wir Kinder begnügten uns mit der Dusche, das war billiger.
Im Herbst 1936 wurde diese Einrichtung geschlossen. Die Stadt verlegte die Warmwasser-Badeanstalt in die Volksschule an der Klosterstraße. Bis in die 50er-Jahre wurde diese Einrichtung rege genutzt, gemeinsam mit der Jugendherberge, die auch im Keller der Schule untergebracht war.

  

Die Autorin Eugenie Haunhorst geb. Göcke wurde 1912 in Warendorf geboren und wuchs in einer Lehrerfamilie mit vier Geschwistern auf. Im Alter von 90 Jahren begann sie, Erinnerungen aus ihrem Leben im Warendorf der 1920er Jahre aufzuschreiben. Sie starb 2016 im Alter von 103 Jahren.


 

Bilder: Archiv der Altstadtfreunde Warendorf

Zum 100. Geburtstag von Dr. Günther Drescher:
Bürgermeister Dr. Günther Drescher  (*5.6.1926 ; +6.2.2010)
Ehrenbürger der Stadt Warendorf
von Mechtild Wolff (1. 6. 2026)

Bürgermeister und Stadtdirektoren in Warendorf von 1980-1994
sein Vorgänger:  Dr. Hans Kluck 1964-1980
sein Nachfolger: Manfred Kampelmann 1994-1999
Stadtdirektor:   Hellmuth Schmeichel 1967-1991
Stadtdirektor:   Theo Dickgreber 1991-1999

Dr. Günther Drescher wurde 1980 zum Warendorfer Bürgermeister gewählt, in einer wahrlich turbulenten Umbruchszeit. Mit schwierigen Zeiten war Günther Drescher seit frühester Jugend vertraut. Geboren wurde er 1926 in Karwin in der damaligen Tschechoslowakei. Während der Sudetenkrise 1938 wurde seine Heimat von polnischen Truppen besetzt und nach Beginn des Polenfeldzuges 1939 dem Reichsgau Oberschlesien zugeordnet. Seine Gymnasialzeit verbrachte Günther Drescher in Neuzelle in der Mark Brandenburg. Schon 1943 wurde er als Luftwaffenhelfer eingesetzt, konnte aber 1944 das damals übliche Notabitur ablegen. An seinem 18. Geburtstag kam er zum Fronteinsatz. Nach seiner Verwundung geriet er in russische Gefangenschaft auf der Krim und in der Ukraine. Erst 1949 wurde er zu seiner Familie, die nach Bayern geflüchtet war, entlassen. Endlich konnte er sein Studium in Deutsch, Geschichte und Geographie in München beginnen, welches er 1956 mit einer Promotion abschloss. Durch seine Heirat mit Ruth Spital aus Warendorf kam er nach Westfalen, bekam zuerst eine Anstellung als Lehrer an der Loburg in Ostbevern, dann am Gymnasium in Ahlen und am Warendorfer Gymnasium Laurentianum.

1971 wurde er zum Direktor der Marienschule in Warendorf gewählt. In den schwierigen Jahren der Schulreform bewährte er sich dort als ein umsichtiger Schulleiter und als verständnisvoller Partner für Schüler und Eltern.

Er wollte aber mehr tun für seine neue Heimatstadt. Schon 1966 hatte er sich als CDU-Kandidat für den Stadtrat zur Verfügung gestellt und wurde mit großer Mehrheit gewählt. Bürgermeister Dr. Kluck erkannte schnell, dass Dr. Drescher eine besondere Gabe besaß, sich auf die verschiedenen Denkweisen der oft sehr konträren Parteien einzustellen und 1969 wählte ihn die CDU zum Fraktionsvorsitzenden. Elf Jahre lang führte er die Fraktion durch oft sehr turbulente Sitzungen. Sein diplomatisches Geschick erwies sich als ein Glücksfall.

Nach der plötzlichen Erkrankung seines Vorgängers Dr. Hans Kluck sah er sich 1980 in der Pflicht, das Amt des Bürgermeisters zu übernehmen. Mit den Stadtdirektoren Hellmuth Schmeichel und später Theo Dickgreber und dem neuen CDU-Fraktionschef Manfred Kampelmann und später Karl Wilhelm Hild mussten möglichst im Einvernehmen mit der SPD und der FDP umsichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Im Vordergrund stand die Sanierung der historischen Altstadt, bei der man der geschichtlichen Verantwortung gerecht werden, aber auch pulsierendes Geschäftsleben fördern wollte. Wo dürfen Autos fahren, wo ist eine Fußgängerzone wichtiger? Wo sollen Kunden und Besucher parken können? Soll auf dem Gelände des alten Krankenhauses ein Kaufhaus entstehen oder sind Wohnungen in der Innenstadt wichtiger? Wie kann aus dem Theater am Wall ein Kulturzentrum gemacht werden und wie soll im alten Bürgerhof ein Veranstaltungszentrum finanziert werden? Wann werden endlich die innerstädtische Entlastungsstraße und die Umgehungsstraße gebaut?

Viele verschiedene Meinungen prallten oft unversöhnlich aufeinander, so war es nicht verwunderlich, dass in der Amtszeit von Bürgermeister Dr. Drescher die politische Landschaft „bunter“ wurde. Zur Zeit der kommunalen Neuordnung  waren nur zwei Parteien im Rat der Stadt Warendorf vertreten, die CDU und die SPD. 1975 gelang der FDP wieder der Sprung über die 5% Hürde. Sie war schon in früheren Jahren sporadisch im Rat vertreten gewesen. 1984 kam erstmalig die GAL/Grünalternative Liste und 1989 die Freie Wählergemeinschaft, die FWG, in den Stadtrat.

Im Bundestag war der Kreis Warendorf durch den langjährigen Bundestagsabgeordneten und Bundesminister Dr. h.c. Heinrich Windelen gut vertreten und im Landtag von NRW hatte es der SPD-Abgeordnete Richard Winkels bis zum  Landtages-Vizepräsidenten gebracht. Auch Friedrich Vogel, CDU-Bundestags-Abgeordneter des Ennepe-Ruhr-Kreises, aber wohnhaft in Warendorf, konnte als Justizminister in NRW und Staatsminister in Bonn so manche Wege für Warendorf ebnen. Sie alle beförderten unsere Stadt nach Kräften und zeigten gern Ministern und Staatssekretären ihre schöne Heimatstadt, was für Warendorf manche Tür öffnete.

 
1991 Bundespräsident Richard v. Weizäcker mit seiner Frau wird von Oberst Klaus Kuhn, Bürgermeister Dr. Drescher, Stadtdirektor Theo Dickgreber und Graf von Landsberg-Velen empfangen

Sogar Bundespräsident Richard von Weizäcker machte 1991 mit seinen Mitarbeitern den jährlichen Betriebsausflug in die Pferdestadt und die Gäste aus Bonn bekamen ein vielseitiges Programm im Reitzentrum der FN und eine Mini-Hengstparade im Landgestüt vorgeführt.

Der hohe Wohn- und Freizeitwert der Stadt Warendorf hatte viele Neubürger angelockt, denen attraktive Neubaugebiete angeboten werden konnten. Durch den Strukturwandel mit dem Niedergang der Textil- und Landmaschinenindustrie war Geld im städtischen Haushalt allerdings Mangelware. Einige Großbetriebe, die breit gefächerte Behördenstruktur und vor allem die zahlreichen mittelständischen Unternehmen in Handel und Handwerk waren aber eine solide Basis, die Warendorf relativ unabhängig machte von extremen Konjunkturschwankungen. Die Sanierung der historischen Gebäude in der Innenstadt wurde in guter Zusammenarbeit zwischen den Eigentümern und der öffentlichen Hand vorangetrieben und die Altstadt wurde immer mehr zu einem Schmuckkästchen, das als „Stadt des Pferdes“ mit einer sehenswerten historischen Altstadt zu einem touristischen Anziehungspunkt wurde. Bewohner und Touristen schätzten das vielseitige Geschäftsangebot mit den vielen kleinen inhabergeführten Geschäften, die einen besonderen Charme verbreiteten. Der immer aktive Verkehrsverein, der später zum Stadtmarketing weiterentwickelt wurde, hatte alle Hände voll zu tun mit den Aktivitäten und Veranstaltungen in der Stadt, wie z.B. den jährlichen Traditions- und Stadtfesten oder den Militärweltmeisterschaften im „Modernen Fünfkampf“, die immer mit Gästen aus der ganzen Welt ausgetragen wurden. Natürlich wurden die Funktionäre zu einem festlichen Empfang in den historischen Ratssaal geladen und mit einem Willkommenstrunk aus den Warendorfer Silberpokalen geehrt.


1991 CISM Militätweltmeisterschaften im Modernen Fünfkampf

Mit all den  Aktivitäten hat sich auch das Hotel- und Gaststättenangebot merklich ausgeweitet und für die Touristen entstand das neuartige Angebot der Ferienwohnungen in Privathäusern. Ja, Warendorf entwickelte sich mehr und mehr zu einem Touristenmagnet. Das war ein wichtiges Standbein, denn Großindustrie in Warendorf anzusiedeln war nach wie vor schwierig. Aber die neuen Gewerbegebiete an der Splieterstraße und in der Katzheide füllten sich sehr schnell mit Gewerbebetrieben aller Art.

In der Zwischenzeit hatte der Autoverkehr gravierend zugenommen. Der Andreasring als Innerstädtische Entlastungsstraße hatte sich bewährt, nun  wurde der Bau der Stadtstraße Nord als eine wichtige Verkehrsentlastung für die Innenstadt und die Wohngebiete energisch vorangetrieben. Es sollte aber noch bis 2003 dauern, ehe der erste Bauabschnitt fertig war und noch heute warten wir auf die Vollendung der Stadtstraße Nord.

Ein wichtiges Ziel von Bürgermeister Dr. Drescher war die Verschlankung von Verwaltung und Politik. Er wünschte sich ein Umdenken, weg von der „Behördenmentalität“ hin zum „Dienstleistungsunternehmen Stadt“. Der Bürger sollte nicht Bittsteller sein, sondern Kunde. Ein langer und mühsamer Weg!

1994 Bürgermeister Dr. Dreschers begrüßt die Ehrengäste beim Neujahrsempfang

Ein naheliegendes Ziel war das Jahr 2000, in dem das 800jährige Stadtjubiläum gefeiert werden sollte. Schon jetzt wurden Pläne für ein großes Stadtfest gemacht und Prof. Dr. Leidinger wurde die Federführung für eine umfangreiche Stadtgeschichte übertragen.

Es war Bürgermeister Dr. Drescher ein wichtiges Anliegen, Warendorfer Bürger zu ehren, die sich für das Wohl der Stadt und seiner Ortsteile ehrenamtlich engagierten. Viele Gruppen und Vereine wurden beim alljährlichen Neujahrs-empfang geehrt. Außerdem zeichnete er im Laufe seiner Amtszeit 15 verdiente Bürger mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft, des Ehrenrings und des Ehrensiegels aus.

Mit der Kommunalwahl 1994 beendete Dr. Günther Drescher seine Bürgermeisterzeit und Manfred Kampelmann wurde sein Nachfolger. Nun konnte er sich mehr seiner großen Leidenschaft, dem „edlen  Waidwerk“ widmen, denn in der Natur und in der Familie und seinem großen Freundeskreis fand er Erholung und Entspannung. Gern setzte er sich mit seinen Freunden vom Rotary Club unter der Leitung von Dechant em. Walter Suwelack für die Erhaltung und Renovierung der historischen Bildstöcke und Wegekreuze im heimischen Raum ein.

1995 ehrte ihn seine Heimatstadt Warendorf für seine vielfältigen Verdienste mit der Ehrenbürgerschaft. Auch die Französische Partnerstadt Barentin hatte ihn zum Ehrenbürger ernannt. Viele seiner Wegbegleiter freuten sich mit ihm über die wohlverdienten Ehrungen.

Am 6. Februar 2010 verstarb Dr. Günther Drescher im Alter von 83 Jahren. Mit seiner Frau Ruth, seinen beiden Kindern und seinen fünf Enkelkindern trauerten die Warendorfer Bürger um ihren beliebten Bürgermeister und Ehrenbürger und begleiteten ihn in großer Zahl zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Warendorfer Friedhof.

 

Text: Mechtild Wolff

Bilder: Alfred Kaup

 

Jüdisches Leben in Warendorf:
Die Rettung der Warendorfer Thora-Rolle - ein Glücksfall
von Mechtild Wolff (2026)


Sharon Fehr, der Ehrenvorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Münster, zeigt die Warendorfer Thora-Rolle

Ja, es war ein Glücksfall und ein Beispiel von bürgerschaftlichem Mut, dass Heinrich Baggeroer in der Reichspogromnacht 1938 die Warendorfer Thora-Rolle vor der Zerstörung rettete. Sein Sohn Theo Baggeroer war ein guter Freund unserer Familie und erzählte gerne diese denkwürdige Geschichte:

Mein Vater, der Lederwarenhändler Heinrich Baggeroer, hatte sein Geschäft am Krickmarkt, wo er auch mit seiner Familie wohnte. Der Hinterausgang aus seinem Garten lag an der Königstraße, direkt gegenüber Rückseite der Synagoge.

In der Nacht des 9. auf den 10. November 1938, die später als Reichspogromnacht in die Geschichte eingehen sollte, legte sich auch über die Kleinstadt Warendorf der Schleier des Terrors. Nazi-Parolen schallten durch die Altstadt – das ließ nichts Gutes erahnen - und bald konnten die Bürger das Klirren von Fensterscheiben und das Zersplittern von Holz hören. Schnell verbreitete sich die Schreckensnachricht, dass die Schergen der SA Jagd auf jüdische Mitbürger machten. Die Juden wurden aus den Häusern gezerrt, an die Ems gebracht  und dort schwer misshandelt, ihre Wohnungen wurden zerstört und ihre Habe aus den Fenstern geworfen. Das Klirren von Glas und Porzellan war den Menschen noch lange im Ohr, darum wurde diese Nacht „Reichskristallnacht“ genannt. Niemand stellte sich dem Terror entgegen, niemand wagte einzuschreiten oder zu protestieren, das hätte auch für ihn Gefahr für Leib und Leben bedeutet. Allerdings hat in dieser Nacht so mancher Warendorfer seine jüdischen Nachbarn bei sich versteckt – auch das war lebensgefährlich.

 Die Zerstörung der Synagoge an der Freckenhorster Straße


die jüdische Synagoge in Warendorf -  Modell von Lienhard Wesselmann

Auch aus der naheliegenden Synagoge drang unheilvoller Lärm. Was wirklich passiert war, konnte Heinrich Baggeroer erkennen, als er sich später im Schutz der Dunkelheit durch die enge Gasse zwischen den Häusern zum jüdischen Bethaus schlich. Alle Fensterscheiben der Synagoge waren zersplittert, die Inneneinrichtung war zertrümmert und alles, was der Jüdischen Gemeinde heilig gewesen war, war aus den Fenstern geworfen worden und lag im Hof wie ein großer Müllhaufen. Offensichtlich war nun der SA-Mob weitergezogen und hatte Gott Dank die Synagoge nicht angezündet. Lange wurde verbreitet, die SA-Leute seien für diese Gräueltaten aus Ahlen gekommen, aber heute weiß man, dass es Warendorfer SA-Leute waren, oft sogar Männer aus der Nachbarschaft. Die Warendorfer aber wussten, dass bei einer Brandstiftung die gesamte Altstadt in Gefahr geraten würde.

Zu seinem Entsetzen sah Heinrich Baggeroer in dem Schuttberg die Thora-Rolle der Jüdischen Gemeinde liegen. Er wusste, dass die Thora ein Heiligtum der Juden ist, in der auf koscherem Pergament die fünf Bücher Moses in kunstvoller Handschrift geschrieben sind. Er hatte selbst einmal in einem jüdischen Gottesdienst erlebt, wie der Rabbiner aus der Thora-Rolle die Bibeltexte auf Hebräisch vorlas.

Was tun? Er wusste genau, wie gefährlich es war, die Thora-Rolle mitzunehmen, aber er tat es trotzdem. Außerdem nahm er noch Gebetbücher und einige Kultgegenstände unter den Arm und schlich sich, glücklicherweise unentdeckt, durch die Gasse zurück in seinen Garten. Aber wohin nun mit der Thora-Rolle und den Kultgegenständen? Nie durfte jemand wissen, dass er sie gerettet hatte, das wäre im Nationalsozialismus der sichere Weg ins KZ gewesen und Hausdurchsuchungen gab es in der NS-Zeit auch bei Ariern!

Da erinnerte er sich, dass es im Keller ein Geheimversteck gab – für gefährliche Zeiten -, eine kleine Kammer unter der Erde. Gute verpackt – das konnte er ja als Lederwarenhändler -  verstaute er dort alles, verschloss die Klappe und legte zur Tarnung noch einen alten Teppich drüber und stellte einen alten Schrank darauf.

 

Hugo Spiegel flieht aus seiner Heimatstadt

Der Viehhändler Hugo Spiegel war in der Pogromnacht von den NS-Truppen im Schlafanzug aus seinem Haus in der Schützenstraße 17 gezerrt und an der dunklen Ems übel zusammengeschlagen worden. Mit einer Beinverletzung sowie Verletzungen am Ohr wurde er von wohlmeinenden Bürgern ins Krankenhaus gebracht, aber keiner der Ärzte traute sich, ihn zu behandeln. Erst der mitten in der Nacht herbeigerufene HNO-Arzt Dr. Gronover half dem Verletzten und besorgte ihm ein Krankenzimmer. Zum Schutz setzte er eine Wache vor die Tür - die Grausamkeiten sollten sich nicht wiederholen. Es wird erzählt, dass Dr. Gronover in der SS war und sich darum diese Freiheit erlauben konnte.


Famlie Elsberg beseitigt die Scherben der Pogromnacht vor ihrem Haus an der Oststraße

Als 1939 der 2. Weltkrieg begann, wurde die tägliche Not und Verfolgung noch viel schlimmer. Die meisten Juden hatten Warendorf mittlerweile verlassen, viele waren in alle Teile der Welt ausgewandert. Nun musste auch Hugo Spiegel einsehen, dass er, um sein Leben zu retten, seine geliebte Heimatstadt verlassen musste. Er floh mit seiner Familie in das sichere Belgien - welch ein verhängnisvoller Trugschluss.

1940, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien, wurde Hugo Spiegel verhaftet und ins KZ verschleppt. Die Tochter Rosa wurde 1942 auf offener Straße angesprochen und als jüdisches Kind identifiziert und in den KZ-Tod geschickt. Wie gut, dass der Sohn Paul bei katholischen Bauern versteckt worden war und auch die Mutter sich in der Großstadt Brüssel gut verbarg.

Endlich ist die Schreckensherrschaft zu Ende

Als die amerikanischen Soldaten bei Kriegsende im April 1945 das Konzentrationslager Dachau befreiten, war Paul Spiegel unter den Glücklichen, die überlebt hatten. Entkräftet, aber mit ungebrochenem Lebenswillen - sonst hätte er nicht überlebt -, machte er sich auf den Weg nach Norden. In Frankfurt auf dem Bahnhof wartete auch Heinrich Baggeroer, der gerade von einer Ledereinkaufsreise zurückkam, auf seinen Zug. Er sah die jämmerliche Gestalt und sofort schoss ihm durch den Kopf „Könnte das nicht Hugo Spiegel sein, abgemagert und mit rasiertem Kopf?“ Er sprach ihn an „Hugo, bist du das?“ und angesichts des bekannten Gesichts leuchteten Hugos Augen. Ein Warendorfer Freund, welch ein Lichtblick! „Hugo, wo willst du denn hin?“ „Das weiß ich nicht, ich weiß nicht, wo meine Familie ist, ich weiß nicht einmal, ob sie noch am Leben sind!“ „Dann komm mit mir nach Hause, dann sehen wir weiter!“ Und so fuhren die beiden alten Freunde nach Warendorf in die alte Heimat, in die Heimat, die Hugo Spiegel eigentlich nie wiedersehen wollte, nach all den schrecklichen Erlebnissen!

Aber bei Baggeroers fühlte er sich geborgen und eines Abend sagte Heinrich Baggeroer zu ihm „Hugo, geh mal mit mir in den Keller!“ und er schob dort einen Schrank an die Seite, rollte den Teppich auf, öffnete die Bodenklappe und holte die Thora-Rolle aus dem Versteck.

Hugo Spiegel konnte es kaum glauben, dass das größte Heiligtum der jüdischen Gemeinde gerettet worden war. Damit konnte er die jüdische Gemeinde in Warendorf neu begründen. Jetzt wurde Warendorf wieder zu seiner Heimat!

Auch seine Frau Ruth und seinen jetzt achtjährigen Sohn Paul fand er in Belgien wieder, gerade noch rechtzeitig, denn sie hatten sich entschlossen, zu den Verwandten nach USA auszuwandern – die Schiffspassage war schon gebucht und die Verwandten hatten die Kaution schon bezahlt. Aber jetzt kamen auch Ruth und Paul nach Warendorf - nur von Rosa hatten sie nie wieder gehört. Erst in den 2000er Jahren erfuhren sie, dass Rosa im Ausschwitz ermordet worden war.

Die Gründung der Jüdischen Gemeinde in Warendorf

Das Leben musste weiter gehen und es war für Hugo Spiegel ein Herzensanliegen, eine jüdische Gemeinde in Warendorf zu begründen.

Die Synagoge an der Freckenhorster Straße 7 gab es nicht mehr, sie war am 15. November 1938 von der Synagogengemeinde Warendorf an den Kürschner Heinrich Kottenstedte verkauft worden. Die Synagogengemeinde brauchte das Geld dringend zur Unterstützung der auswanderungswilligen jüdischen Mitglieder, nur leider leitete die Stadtverwaltung den Erlös aus dem Verkauf nie weiter!!!

Der neue Besitzer musste die Synagoge so umbauen, dass „der bisherige Zweck nicht mehr erkennbar war“. Auch das für Synagogen so typische Walmdach musste umgestaltet werden.

Zunächst richtete Hugo Spiegel mit Hilfe der Stadt einen kleinen Betsaal in der ehemaligen Synagoge ein. Es wird erzählt, dass die Gründung einer Synagogengemeinde von zehn Männern jüdischen Glaubens bezeugt werden muss. Außer Hugo Spiegel aber lebten keine Juden in Nachkriegs-Warendorf. Der Zufall kam zu Hilfe: Bei den Soldaten der englischen Besatzungsmacht, die das Hotel im Engel an der Brünebrede für ihre Unterkunft beschlagnahmt hatten, gab es genügend jüdische Männer. Dank der geretteten Thora-Rolle konnte am 7. September 1945 ein jüdischer Gottesdienst gefeiert werden. Damit wurde in Warendorf die erste Jüdische Gemeinde des Münsterlandes gegründet. Mit den Jahren verlagerte sich die jüdische Kultusgemeinde nach Münster, denn dort lebte die Mehrzahl der Gemeindemitglieder. Vor dem Haus der ehemaligen Synagoge an der Freckenhorster Straße erinnert heute eine Gedenk-Stele an das damals lebendige jüdische Leben in Warendorf.


Ja, Hugo Spiegel blieb der einzige Jude, der wieder seine Heimat in Warendorf fand. Er arbeitete wie früher als Viehhändler und wohnte mit seiner Familie zuerst an der Oststraße und baute sich dann ein schönes Haus an der Sassenberger Straße. In seinem Vorgarten hatte er ein viel bewundertes Vogelhäuschen und beim Füttern der Vögel hielt er gern ein Schwätzchen über den Gartenzaun. Hugo Spiegel wurde in vielen Vereinen ein aktives und verlässliches Mitglied und 1962 schoss er im Schützenverein „Hinter den drei Brücken“ sogar den Vogel ab und wurde Schützenkönig.


1962 Hugo Spiegel, der Schützenkönig       Bürgermeister Dr. Kluck und Hugo Spiegel

1970 enthüllte Bürgermeister Dr. Hans Kluck gemeinsam mit Hugo Spiegel auf dem jüdischen Friedhof einen Gedenkstein zum Andenken an die jüdischen Mitbürger, die in den Jahren von 1933-1945 umgekommen waren. Auch dieser Friedhof war in der Pogromnacht geschändet worden, Grabsteine wurden umgeworfen, her ausgerissen und zerschlagen. Noch heute kann man die herausgemeißelten Inschriften sehen und viele Grabsteine fehlen. Es wird erzählt, dass ein Warendorfer Bauer sich die Grabsteine geholt hat, um damit seine Hofeinfahrt zu pflastern.

Auf diesem jüdischen Friedhof wurde Hugo Spiegel 1987 begraben, dort, wo 1974 schon seine Frau Ruth ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte.

Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland

Sein Sohn Paul ging seinen eigenen Weg. Die Viehhändlertradition der Familie wollte er nicht fortsetzen. Er wollte schreiben und übernahm in Düsseldorf die Redaktion der Allgemeinen jüdischen Wochenzeitung. Ein guter Einstieg, der in eine steile Karriere in der Presselandschaft und später in einer angesehenen Künstleragentur mündete.

In all den Jahren übernahm er ehrenamtliche Führungsaufgaben in der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, da war es nicht erstaunlich, dass Paul Spiegel am 9. Januar 2000 zum Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland gewählt wurde. Welch eine Aufgabe! Es stellte sich schnell heraus, dass Paul Spiegel eine Idealbesetzung für dieses verantwortungsvolle Amt war. Mit großer Leidenschaft und all seiner Kraft setzte er sich für die Versöhnung von Juden und Christen ein – Brückenbauer wollte er sein – und der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eine gute Zukunft sichern. 


Hugo Spiegel und seine charmante Frau Gisel und Bürgermeister Theo Dickgreber

Paul Spiegel, Ehrenbürger der Stadt Warendorf
Am 5. September 2001 verlieh Bürgermeister Theo Dickgreber im Theater am Wall auf Beschluss des Rates der Stadt Warendorf dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland Dr. h.c. Paul Spiegel die Ehrenbürger-Rechte seiner Heimatstadt. Das berührte Paul Spiegel sehr, denn er hatte nie vergessen, wie schwer es ihm gefallen war, die Entscheidung seines Vaters zu akzeptieren, nach all den Gräueln wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Sein Vater hatte ihn aber gelehrt, immer nach vorne zu blicken und an das Gute im Menschen zu glauben und im Judentum eine Quelle der Stärkung zu finden. Dieses stabile Wertesystem war die Grundlage für sein Wirken in dem verantwortungsvollen Amt.


Prof. Dr. Paul Leidinger und die „Wilhelm-Zuhorn-Plaketten Träger“, Eugenie Haunhorst, D. hc.Paul Spiegel , Prof. Dr. Wilhelm Kohl

Wir Warendorfer erlebten Paul Spiegel als einen brillanten und klugen Redner, der sich unermüdlich für Normalität im deutsch-jüdischen Verhältnis einsetzte, aber auch als einen freundlichen und offenen Menschen und einen fröhlichen Unterhalter, der gerne Witze und Anekdoten erzählte und sich herzlich freute, als er seinen alten Klassenkameraden Willi Schütte traf, mit dem ihn so viele Erinnerungen aus alten Zeiten verbanden.

Der Heimatverein Warendorf ehrte Paul Spiegel 2002 mit der „Wilhelm-Zuhorn-Plakette“. In seiner Festrede würdigte der Vorsitzende Prof. Dr. Paul Leidinger sein Eintreten für Versöhnung und Dialog und insbesondere seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Warendorf.

Viel zu früh verstarb Paul Spiegel am 30. April 2006. Er war zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Zeitgeschichte geworden, die über seinen Tod hinaus hohe Beachtung und Anerkennung fand. Ihm war es gelungen, den Juden in Deutschland wieder eine akzeptierte Stimme zu geben.

Um die Erinnerung an den bedeutenden Sohn unserer Stadt wach zu halten, wurde die Kreisberufsschule in „Paul-Spiegel-Berufskolleg“ umbenannt. Eine kluge Entscheidung! Hier fand gemeinsam mit allen hiesigen Gymnasien am 30. April 2026 aus Anlass seines 20. Todestages eine beeindruckendes Gedenken mit engagierten Schülern und Lehrern und vielen Ehrengästen statt, zu denen auch sein alter Schulfreund Willi Schütte mit seinen fast 90 Jahren gehörte. Sylvia Löhrmann, die Beauftragte des Landes NRW für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur zollte in ihrer Festrede dem Lebenswerk von Paul Spiegel große Hochachtung.

Die Warendorfer Thora-Rolle

Weil es in Warendorf keine jüdische Gemeinde mehr gibt, befindet sich die Warendorfer Thora in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Münster. Erstmalig kam sie 2025 wieder an ihren Ursprungsort zurück und wurde in der Ausstellung „Jüdische Leben in Warendorf“ von Sharon Fehr, dem Ehrenvorsitzende der jüdischen Gemeinde Münster,  gezeigt. Vor über 200 Jahren wurden in dieser Thora auf Pergament die fünf Bücher Moses in kunstvoller Handschrift aufgeschrieben – 340.000 Zeichen insgesamt. Die Thora ist ein stilles, sehr kraftvolles Symbol der jüdischen Kultur.

Dieser wahre Schatz wurde der Mittelpunkt der sehenswerten Ausstellung im Elsberghaus, die von Rudolf Berger und der Glocke-Redakteurin Nicole Fenneker konzipiert wurde. Sie zeigte eindrucksvoll die lange Geschichte jüdischen Lebens in Warendorf.

 

 

 

Mechtild Wolff 2026


 Stolpersteine in Warendorf

 

 

 

 

 

 

Interessantes und Aktuelles vom Heimatverein Warendorf

Hier zum Herunterladen:
Der neue KIEPENKERL 2025

Die wunderbare Tante Sophie
Erinnerungen von Mechtild Wolff

Struwenessen am Karfreitag beim Heimatverein Warendorf:
Das traditionelle Karfreitagsgericht der Warendorfer köstlich zubereitet von Marie-Luise Mönnigmann und ihrem Team

Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Warendorf

Die Affhüppen-Kapelle – eine architektonische Schönheit der Neugotik in Vohren
von Mechtild Wolff

Vortrag von Dr. Dirk Ziesing (Bochum):
"Warendorf – Westpreußen – Waterloo"

Zum 200jährigen Jubiläum des Landgestüts:
Bürgermeister Johann Kaspar Schnösenberg
von Mechtild Wolff

Das Josephs-Hospital - eine lange Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ende
von Mechtild Wolff

Franz Joseph Zumloh, Wohltäter in großer Not
von Mechtild Wolff

Der neue "Kiepenkerl" 2025 mit aktuellen Berichten aus Warendorf und der Arbeit des Heimatvereins erscheint zum Herunterladen online auf der Website des Heimatvereins

Stellungnahme des Heimatvereins Warendorf zum Bau der neuen Bundesstraße B64 n (Umgehung Warendorf)

Vortrag zur Ahnenforschung

Antrag des Heimatvereins Warendorf an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Warendorf bezüglich der Benennung bzw. Umbenennung von Straßen

Stadtführung mit dem Thema: Entstehung und Bedeutung ausgewählter Straßennamen

Turbulente 15 Jahre im Heimatverein: Rückblick der Vorsitzenden Mechtild Wolff

Verabschiedung von Frau Mechtild Wolff nach 15 Jahren im Vorsitz des Heimatvereins Warendorf:
Würdigung durch den Bürgermeister Peter Horstmann

Vor 80 Jahren: Die letzten Tage des 2. Weltkriegs in Warendorf Ostern 1945
Jahreshauptversammlung 2025

Das Portrait: Dr. h.c. Heinrich Windelen

Aus Anlass des Denkmaltages am 8. 9. 2024:
Motto: "Wahrzeichen - Zeitzeugen der Geschichte"
Der Warendorfer Bürger-Schützenhof – eine Erfolgsgeschichte mit traurigem Ende

Aus Anlaß des Auftaktes der Europagespräche der Stadt Warendorf am 1. 9. 2024 erinnert der Heimatverein Warendorf:
1954 - Kaiser Haile Selassi in Warendorf - ein Ereignis, an das man sich noch heute erinnert

Der erste große Stadtbrand von Warendorf aus dem Jahre 1404

Das Portrait: Joos Brandkamp, Kirchen- und Kunstmaler (1905 - 1983)
von Mechtild Wolf

100 Jahre Frauenwahlrecht - Erinnerungen an Clara Schmidt in Warendorf und die Frauenbewegung Clara Schmidt und die Frauenliste
Fakten und Historie

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Heimatvereins Warendorf
Thema: "Clara Schmidt und die Frauenliste 1924 in Warendorf"

 
 
Westfälisch Platt: Naorop fö Mathilde Kempkes
von Franz Schulte Nahrup

Was hat der Name „Teufelsbrücke“ mit dem Ems-Hochwasser zu tun?o:p>
von Heinrich Schallück (Einführung: Mechtild Wolff) (27. 12. 2023)
anlässlich des Emshochwassers Weihnachten 2023

 

 

Heimatfest Mariä Himmelfahrt
Erlebte Geschichte: Mariä Himmelfahrt in den 1920er Jahren von Eugenie Haunhorst

Unser engagiertes Ehrenmitglied Kurt Heinermann verstarb im Alter von 91 Jahren

Anni Cohen und ihre Familie - von Warendorf nach Südafrika und Palästina
von Mechtild Wolff

Eduard Elsberg erbaute das erste große Kaufhaus in Warendorf
von Mechtild Wolff

Der Elsbergplatz
von Dr. Bernward Fahlbusch

Das Fahrrad, ein wertvoller Besitz
von Eugenie Hauenhorst

 

 

Nachruf auf unseren langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Franz Bülte, Todestag  14. 12. 2022
von Norbert  Funken

„Wie war das eigentlich früher in Warendorf?“
Der Heimatverein lädt ein zum nächsten „Klön-Nachmittag“
Termin: Sonntag, den 20.11.2022 um 15 Uhr im Historischen Ratssaal des Rathauses am Marktplatz

Friedhofsrundgang mit Mechtild Wolff
"Sie alle haben sich um Warendorf verdient gemacht und sollten nicht vergessen werden"

Fragen an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder in der Bürgerfragestunde
der Ratssitzung vom 28.9.2022 zum Thema:
Bauen auf der Emsinsel – Bauen in den Auen der Ems?

 

Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Neue Bahnhof" in Warendorf von Mechtild Wolff

 

Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Alte Bahnhof" in Warendorf
 
Der Warendorfer Friedhof - Spiegel der Stadtgeschichte


Gebr. Hagedorn und Co, eine Landmaschinenfabrik mit Eisengießerei

 
Der Warendorfer Friedhof: Spiegel der Stadtgeschichte
Carl Leopold und die Schnellsche Verlagsbuchhandlung 1909 - 1986


Antrag des Heimatvereins Warendorf an den Bürgermeister Horstmann und den Stadtrat der Stadt Warendorf bzgl. des Erhalts des Hauses Wallgasse 3

 

 

 

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