Jüdisches Leben in Warendorf:
Die Rettung der Warendorfer Thora-Rolle - ein Glücksfall
von Mechtild Wolff (2026)


Sharon Fehr, der Ehrenvorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Münster, zeigt die Warendorfer Thora-Rolle

Ja, es war ein Glücksfall und ein Beispiel von bürgerschaftlichem Mut, dass Heinrich Baggeroer in der Reichspogromnacht 1938 die Warendorfer Thora-Rolle vor der Zerstörung rettete. Sein Sohn Theo Baggeroer war ein guter Freund unserer Familie und erzählte gerne diese denkwürdige Geschichte:

Mein Vater, der Lederwarenhändler Heinrich Baggeroer, hatte sein Geschäft am Krickmarkt, wo er auch mit seiner Familie wohnte. Der Hinterausgang aus seinem Garten lag an der Königstraße, direkt gegenüber Rückseite der Synagoge.

In der Nacht des 9. auf den 10. November 1938, die später als Reichspogromnacht in die Geschichte eingehen sollte, legte sich auch über die Kleinstadt Warendorf der Schleier des Terrors. Nazi-Parolen schallten durch die Altstadt – das ließ nichts Gutes erahnen - und bald konnten die Bürger das Klirren von Fensterscheiben und das Zersplittern von Holz hören. Schnell verbreitete sich die Schreckensnachricht, dass die Schergen der SA Jagd auf jüdische Mitbürger machten. Die Juden wurden aus den Häusern gezerrt, an die Ems gebracht  und dort schwer misshandelt, ihre Wohnungen wurden zerstört und ihre Habe aus den Fenstern geworfen. Das Klirren von Glas und Porzellan war den Menschen noch lange im Ohr, darum wurde diese Nacht „Reichskristallnacht“ genannt. Niemand stellte sich dem Terror entgegen, niemand wagte einzuschreiten oder zu protestieren, das hätte auch für ihn Gefahr für Leib und Leben bedeutet. Allerdings hat in dieser Nacht so mancher Warendorfer seine jüdischen Nachbarn bei sich versteckt – auch das war lebensgefährlich.

 Die Zerstörung der Synagoge an der Freckenhorster Straße


die jüdische Synagoge in Warendorf -  Modell von Lienhard Wesselmann

Auch aus der naheliegenden Synagoge drang unheilvoller Lärm. Was wirklich passiert war, konnte Heinrich Baggeroer erkennen, als er sich später im Schutz der Dunkelheit durch die enge Gasse zwischen den Häusern zum jüdischen Bethaus schlich. Alle Fensterscheiben der Synagoge waren zersplittert, die Inneneinrichtung war zertrümmert und alles, was der Jüdischen Gemeinde heilig gewesen war, war aus den Fenstern geworfen worden und lag im Hof wie ein großer Müllhaufen. Offensichtlich war nun der SA-Mob weitergezogen und hatte Gott Dank die Synagoge nicht angezündet. Lange wurde verbreitet, die SA-Leute seien für diese Gräueltaten aus Ahlen gekommen, aber heute weiß man, dass es Warendorfer SA-Leute waren, oft sogar Männer aus der Nachbarschaft. Die Warendorfer aber wussten, dass bei einer Brandstiftung die gesamte Altstadt in Gefahr geraten würde.

Zu seinem Entsetzen sah Heinrich Baggeroer in dem Schuttberg die Thora-Rolle der Jüdischen Gemeinde liegen. Er wusste, dass die Thora ein Heiligtum der Juden ist, in der auf koscherem Pergament die fünf Bücher Moses in kunstvoller Handschrift geschrieben sind. Er hatte selbst einmal in einem jüdischen Gottesdienst erlebt, wie der Rabbiner aus der Thora-Rolle die Bibeltexte auf Hebräisch vorlas.

Was tun? Er wusste genau, wie gefährlich es war, die Thora-Rolle mitzunehmen, aber er tat es trotzdem. Außerdem nahm er noch Gebetbücher und einige Kultgegenstände unter den Arm und schlich sich, glücklicherweise unentdeckt, durch die Gasse zurück in seinen Garten. Aber wohin nun mit der Thora-Rolle und den Kultgegenständen? Nie durfte jemand wissen, dass er sie gerettet hatte, das wäre im Nationalsozialismus der sichere Weg ins KZ gewesen und Hausdurchsuchungen gab es in der NS-Zeit auch bei Ariern!

Da erinnerte er sich, dass es im Keller ein Geheimversteck gab – für gefährliche Zeiten -, eine kleine Kammer unter der Erde. Gute verpackt – das konnte er ja als Lederwarenhändler -  verstaute er dort alles, verschloss die Klappe und legte zur Tarnung noch einen alten Teppich drüber und stellte einen alten Schrank darauf.

 

Hugo Spiegel flieht aus seiner Heimatstadt

Der Viehhändler Hugo Spiegel war in der Pogromnacht von den NS-Truppen im Schlafanzug aus seinem Haus in der Schützenstraße 17 gezerrt und an der dunklen Ems übel zusammengeschlagen worden. Mit einer Beinverletzung sowie Verletzungen am Ohr wurde er von wohlmeinenden Bürgern ins Krankenhaus gebracht, aber keiner der Ärzte traute sich, ihn zu behandeln. Erst der mitten in der Nacht herbeigerufene HNO-Arzt Dr. Gronover half dem Verletzten und besorgte ihm ein Krankenzimmer. Zum Schutz setzte er eine Wache vor die Tür - die Grausamkeiten sollten sich nicht wiederholen. Es wird erzählt, dass Dr. Gronover in der SS war und sich darum diese Freiheit erlauben konnte.


Famlie Elsberg beseitigt die Scherben der Pogromnacht vor ihrem Haus an der Oststraße

Als 1939 der 2. Weltkrieg begann, wurde die tägliche Not und Verfolgung noch viel schlimmer. Die meisten Juden hatten Warendorf mittlerweile verlassen, viele waren in alle Teile der Welt ausgewandert. Nun musste auch Hugo Spiegel einsehen, dass er, um sein Leben zu retten, seine geliebte Heimatstadt verlassen musste. Er floh mit seiner Familie in das sichere Belgien - welch ein verhängnisvoller Trugschluss.

1940, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Belgien, wurde Hugo Spiegel verhaftet und ins KZ verschleppt. Die Tochter Rosa wurde 1942 auf offener Straße angesprochen und als jüdisches Kind identifiziert und in den KZ-Tod geschickt. Wie gut, dass der Sohn Paul bei katholischen Bauern versteckt worden war und auch die Mutter sich in der Großstadt Brüssel gut verbarg.

Endlich ist die Schreckensherrschaft zu Ende

Als die amerikanischen Soldaten bei Kriegsende im April 1945 das Konzentrationslager Dachau befreiten, war Paul Spiegel unter den Glücklichen, die überlebt hatten. Entkräftet, aber mit ungebrochenem Lebenswillen - sonst hätte er nicht überlebt -, machte er sich auf den Weg nach Norden. In Frankfurt auf dem Bahnhof wartete auch Heinrich Baggeroer, der gerade von einer Ledereinkaufsreise zurückkam, auf seinen Zug. Er sah die jämmerliche Gestalt und sofort schoss ihm durch den Kopf „Könnte das nicht Hugo Spiegel sein, abgemagert und mit rasiertem Kopf?“ Er sprach ihn an „Hugo, bist du das?“ und angesichts des bekannten Gesichts leuchteten Hugos Augen. Ein Warendorfer Freund, welch ein Lichtblick! „Hugo, wo willst du denn hin?“ „Das weiß ich nicht, ich weiß nicht, wo meine Familie ist, ich weiß nicht einmal, ob sie noch am Leben sind!“ „Dann komm mit mir nach Hause, dann sehen wir weiter!“ Und so fuhren die beiden alten Freunde nach Warendorf in die alte Heimat, in die Heimat, die Hugo Spiegel eigentlich nie wiedersehen wollte, nach all den schrecklichen Erlebnissen!

Aber bei Baggeroers fühlte er sich geborgen und eines Abend sagte Heinrich Baggeroer zu ihm „Hugo, geh mal mit mir in den Keller!“ und er schob dort einen Schrank an die Seite, rollte den Teppich auf, öffnete die Bodenklappe und holte die Thora-Rolle aus dem Versteck.

Hugo Spiegel konnte es kaum glauben, dass das größte Heiligtum der jüdischen Gemeinde gerettet worden war. Damit konnte er die jüdische Gemeinde in Warendorf neu begründen. Jetzt wurde Warendorf wieder zu seiner Heimat!

Auch seine Frau Ruth und seinen jetzt achtjährigen Sohn Paul fand er in Belgien wieder, gerade noch rechtzeitig, denn sie hatten sich entschlossen, zu den Verwandten nach USA auszuwandern – die Schiffspassage war schon gebucht und die Verwandten hatten die Kaution schon bezahlt. Aber jetzt kamen auch Ruth und Paul nach Warendorf - nur von Rosa hatten sie nie wieder gehört. Erst in den 2000er Jahren erfuhren sie, dass Rosa im Ausschwitz ermordet worden war.

Die Gründung der Jüdischen Gemeinde in Warendorf

Das Leben musste weiter gehen und es war für Hugo Spiegel ein Herzensanliegen, eine jüdische Gemeinde in Warendorf zu begründen.

Die Synagoge an der Freckenhorster Straße 7 gab es nicht mehr, sie war am 15. November 1938 von der Synagogengemeinde Warendorf an den Kürschner Heinrich Kottenstedte verkauft worden. Die Synagogengemeinde brauchte das Geld dringend zur Unterstützung der auswanderungswilligen jüdischen Mitglieder, nur leider leitete die Stadtverwaltung den Erlös aus dem Verkauf nie weiter!!!

Der neue Besitzer musste die Synagoge so umbauen, dass „der bisherige Zweck nicht mehr erkennbar war“. Auch das für Synagogen so typische Walmdach musste umgestaltet werden.

Zunächst richtete Hugo Spiegel mit Hilfe der Stadt einen kleinen Betsaal in der ehemaligen Synagoge ein. Es wird erzählt, dass die Gründung einer Synagogengemeinde von zehn Männern jüdischen Glaubens bezeugt werden muss. Außer Hugo Spiegel aber lebten keine Juden in Nachkriegs-Warendorf. Der Zufall kam zu Hilfe: Bei den Soldaten der englischen Besatzungsmacht, die das Hotel im Engel an der Brünebrede für ihre Unterkunft beschlagnahmt hatten, gab es genügend jüdische Männer. Dank der geretteten Thora-Rolle konnte am 7. September 1945 ein jüdischer Gottesdienst gefeiert werden. Damit wurde in Warendorf die erste Jüdische Gemeinde des Münsterlandes gegründet. Mit den Jahren verlagerte sich die jüdische Kultusgemeinde nach Münster, denn dort lebte die Mehrzahl der Gemeindemitglieder. Vor dem Haus der ehemaligen Synagoge an der Freckenhorster Straße erinnert heute eine Gedenk-Stele an das damals lebendige jüdische Leben in Warendorf.


Ja, Hugo Spiegel blieb der einzige Jude, der wieder seine Heimat in Warendorf fand. Er arbeitete wie früher als Viehhändler und wohnte mit seiner Familie zuerst an der Oststraße und baute sich dann ein schönes Haus an der Sassenberger Straße. In seinem Vorgarten hatte er ein viel bewundertes Vogelhäuschen und beim Füttern der Vögel hielt er gern ein Schwätzchen über den Gartenzaun. Hugo Spiegel wurde in vielen Vereinen ein aktives und verlässliches Mitglied und 1962 schoss er im Schützenverein „Hinter den drei Brücken“ sogar den Vogel ab und wurde Schützenkönig.


1962 Hugo Spiegel, der Schützenkönig       Bürgermeister Dr. Kluck und Hugo Spiegel

1970 enthüllte Bürgermeister Dr. Hans Kluck gemeinsam mit Hugo Spiegel auf dem jüdischen Friedhof einen Gedenkstein zum Andenken an die jüdischen Mitbürger, die in den Jahren von 1933-1945 umgekommen waren. Auch dieser Friedhof war in der Pogromnacht geschändet worden, Grabsteine wurden umgeworfen, her ausgerissen und zerschlagen. Noch heute kann man die herausgemeißelten Inschriften sehen und viele Grabsteine fehlen. Es wird erzählt, dass ein Warendorfer Bauer sich die Grabsteine geholt hat, um damit seine Hofeinfahrt zu pflastern.

Auf diesem jüdischen Friedhof wurde Hugo Spiegel 1987 begraben, dort, wo 1974 schon seine Frau Ruth ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte.

Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland

Sein Sohn Paul ging seinen eigenen Weg. Die Viehhändlertradition der Familie wollte er nicht fortsetzen. Er wollte schreiben und übernahm in Düsseldorf die Redaktion der Allgemeinen jüdischen Wochenzeitung. Ein guter Einstieg, der in eine steile Karriere in der Presselandschaft und später in einer angesehenen Künstleragentur mündete.

In all den Jahren übernahm er ehrenamtliche Führungsaufgaben in der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, da war es nicht erstaunlich, dass Paul Spiegel am 9. Januar 2000 zum Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland gewählt wurde. Welch eine Aufgabe! Es stellte sich schnell heraus, dass Paul Spiegel eine Idealbesetzung für dieses verantwortungsvolle Amt war. Mit großer Leidenschaft und all seiner Kraft setzte er sich für die Versöhnung von Juden und Christen ein – Brückenbauer wollte er sein – und der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eine gute Zukunft sichern. 


Hugo Spiegel und seine charmante Frau Gisel und Bürgermeister Theo Dickgreber

Paul Spiegel, Ehrenbürger der Stadt Warendorf
Am 5. September 2001 verlieh Bürgermeister Theo Dickgreber im Theater am Wall auf Beschluss des Rates der Stadt Warendorf dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland Dr. h.c. Paul Spiegel die Ehrenbürger-Rechte seiner Heimatstadt. Das berührte Paul Spiegel sehr, denn er hatte nie vergessen, wie schwer es ihm gefallen war, die Entscheidung seines Vaters zu akzeptieren, nach all den Gräueln wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Sein Vater hatte ihn aber gelehrt, immer nach vorne zu blicken und an das Gute im Menschen zu glauben und im Judentum eine Quelle der Stärkung zu finden. Dieses stabile Wertesystem war die Grundlage für sein Wirken in dem verantwortungsvollen Amt.


Prof. Dr. Paul Leidinger und die „Wilhelm-Zuhorn-Plaketten Träger“, Eugenie Haunhorst, D. hc.Paul Spiegel , Prof. Dr. Wilhelm Kohl

Wir Warendorfer erlebten Paul Spiegel als einen brillanten und klugen Redner, der sich unermüdlich für Normalität im deutsch-jüdischen Verhältnis einsetzte, aber auch als einen freundlichen und offenen Menschen und einen fröhlichen Unterhalter, der gerne Witze und Anekdoten erzählte und sich herzlich freute, als er seinen alten Klassenkameraden Willi Schütte traf, mit dem ihn so viele Erinnerungen aus alten Zeiten verbanden.

Der Heimatverein Warendorf ehrte Paul Spiegel 2002 mit der „Wilhelm-Zuhorn-Plakette“. In seiner Festrede würdigte der Vorsitzende Prof. Dr. Paul Leidinger sein Eintreten für Versöhnung und Dialog und insbesondere seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Warendorf.

Viel zu früh verstarb Paul Spiegel am 30. April 2006. Er war zu einer bedeutenden Persönlichkeit der Zeitgeschichte geworden, die über seinen Tod hinaus hohe Beachtung und Anerkennung fand. Ihm war es gelungen, den Juden in Deutschland wieder eine akzeptierte Stimme zu geben.

Um die Erinnerung an den bedeutenden Sohn unserer Stadt wach zu halten, wurde die Kreisberufsschule in „Paul-Spiegel-Berufskolleg“ umbenannt. Eine kluge Entscheidung! Hier fand gemeinsam mit allen hiesigen Gymnasien am 30. April 2026 aus Anlass seines 20. Todestages eine beeindruckendes Gedenken mit engagierten Schülern und Lehrern und vielen Ehrengästen statt, zu denen auch sein alter Schulfreund Willi Schütte mit seinen fast 90 Jahren gehörte. Sylvia Löhrmann, die Beauftragte des Landes NRW für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur zollte in ihrer Festrede dem Lebenswerk von Paul Spiegel große Hochachtung.

Die Warendorfer Thora-Rolle

Weil es in Warendorf keine jüdische Gemeinde mehr gibt, befindet sich die Warendorfer Thora in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Münster. Erstmalig kam sie 2025 wieder an ihren Ursprungsort zurück und wurde in der Ausstellung „Jüdische Leben in Warendorf“ von Sharon Fehr, dem Ehrenvorsitzende der jüdischen Gemeinde Münster,  gezeigt. Vor über 200 Jahren wurden in dieser Thora auf Pergament die fünf Bücher Moses in kunstvoller Handschrift aufgeschrieben – 340.000 Zeichen insgesamt. Die Thora ist ein stilles, sehr kraftvolles Symbol der jüdischen Kultur.

Dieser wahre Schatz wurde der Mittelpunkt der sehenswerten Ausstellung im Elsberghaus, die von Rudolf Berger und der Glocke-Redakteurin Nicole Fenneker konzipiert wurde. Sie zeigte eindrucksvoll die lange Geschichte jüdischen Lebens in Warendorf.

 

 

 

Mechtild Wolff 2026


 Stolpersteine in Warendorf

Einladung zur Geschichtswerkstatt des Heimatvereins Warendorf in Zusammenarbeit mit der VHS Warendorf
Thema: Verschwundene Orte in Warendorf
Ort: VHS Warendorf, Freckenhorster Str. 43, 48231 Warendorf
Zeit: Montags, beginnend am 4. 5. , 14 tägig, weitere Termine: 18. 5., 1. 6., 15. 6., 29. 6., 13. 7.

Jede Stadt hat eine Geschichte, deren Zeugnisse und Überreste nicht immer sofort erkennbar sind. Viele historische Gebäude und Plätze in der Altstadt sind im Laufe der Zeit verschwunden.
Können Sie sich noch an das Sophienstift oder den Schlachthof erinnern?
Der Heimatverein Warendorf möchte in Form einer Geschichtswerkstatt solche Orte der Geschichte in Kooperation mit der VHS erforschen und sie so medial wieder für die Erinnerung bereitstellen. Der Workshop wendet sich an die, die Freude daran haben, solche Orte historisch zu untersuchen, nach Spuren und Geschichten zu forschen und kreativ die Darbietung zu gestalten. Auch soll der Frage nachgegangen werden, wie die Rezeption nach dem Verschwinden war.
Die Teilnahme ist kostenfrei.  

Das schöne Haus Klosterstraße 7
Erinnerungen an die wunderbare Tante Sophie
von Mechtild Wolff (19. 4. 2026)

Ein ganz besonderer Ort meiner Kindheit war das schöne Haus Klosterstraße 7. Hier wohnten Onkel Bernhard und Tante Sophie – ja, damals sagte man noch Onkel und Tante. Bernhard Lohmann war der Bruder meiner Großmutter und war seit 1920 mit Sophie Schmitz geb. Brinkhaus verheiratet. Aber davon hören wir später mehr.

Die junge Sophie im Tapetensaal

Das gemütliche Wohnzimmer von Tante Sophie und Onkel Bernhard mit dem Papagei war direkt rechts neben der Haustür, dort, wo heute das Biedermeierzimmer ist und gegenüber lagen Onkel Bernhards Praxisräume. Mit Tante Sophie verband mich eine ganz besondere Freundschaft. Sie begann eigentlich mit Briefmarken! Tante Sophies beste Freundin war Jenny Brinkhaus, sie war ihre Nichte und ihre Schwägerin, eine vielreisende Weltbürgerin! Von ihr bekam Sophie Ansichtskarten-Grüße aus aller Herren Länder. Diese Karten schenkte sie mir dann und ich riss die Briefmarken für meine Sammlung heraus - schade eigentlich, die Ansichtskarten wären heute viel spannender.

Tante Sophies Lieblingsplatz in ihrem schönen Haus war allerdings ihr eleganter Gartensaal. Sie freute sich immer, wenn sie Besuchern die einzigartigen Bildtapeten zeigen und dann die amüsanten Geschichten aus ihrer spannenden Familie zum Besten geben konnte. Sie erzählte z.B. von ihrem Ur-Großvater, dem Medizinalrat und späteren Hofrat Dr. Franz Josef Katzenberger (1767-1838). Den Titel Hofrat hatte er 1791 im Alter von 24 Jahren vom königlich, preußischen Prinzen August Ferdinand verliehen bekommen, weil er in Berlin dessen Tochter durch Kaiserschnitt gesund zur Welt gebracht hatte. Die königliche Entlohnung hat sicher geholfen, 1812 dieses prachtvolle Bürgerhaus erbauen zu können. Außerdem war Hofrat Katzenberger verheiratet mit einer wohlhabenden Kaufmannstochter aus Amsterdam, Anna Elisabeth geb. Schmitz (1781-1849).

 

Die handgedruckten Bildtapeten im Haus Klosterstraße 7

Für die Kleinstadt Warendorf war dieses Haus ungewöhnlich prächtig. Der Glanzpunkt des klassizistischen Bürgerhauses waren auch damals schon der Gartensaal und der Salon mit den handgedruckten französischen Bildtapeten.

Wie kam ein Hofrat auf die Idee, die Welt der Inkas und die Abenteuer des Telemach ins eigene Wohnzimmer zu holen? Es wird der französische Einfluss dieser Zeit gewesen sein! Leben wie in Frankreich und nicht wie im ländlich, sittlichen Westfalen, das war das Ideal. Die wohlhabenden Bürger wollten sich die große, weite Welt ins Haus holen. Seit 1793 gab es in Westfalen viele französische Emigranten, die vor dem Terror der Französischen Revolution geflohen waren. Sie stammten vor allem aus dem Adel und aus der Geistlichkeit und brachten Eleganz nach Westfalen.

Von 1806 bis 1813 war das Münsterland von den Franzosen besetzt. Der französische Einfluss war bei der Oberschicht bald nicht mehr zu übersehen. „Wer schick sein wollte, kleidete sich nach der französischen Mode“, erklärte Tante Sophie. „Meine Mutter ließ viele französische Worte in ihre Alltagssprache einfließen: Sie wäre nie auf einem Bürgersteig gegangen, das hieß Trottoir und ein Regenschirm war ein Paraplui und man ging nicht irgendwo zu Besuch, man ging auf Visite“. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Katzenbergers sich für eine Bildtapete aus der weltberühmten Manufaktur Dufour und Leroy in Paris entschieden.

Dort wurden diese Bildtapeten 1823 und 1824 genau nach Maß für die beiden Räume handgedruckt. Für die Herstellung der Inka -Tapete im großen Gartensaal wurden 2112 Druckmodeln geschnitzt und 83 verschiedene Farben verwendet. Die Tapetenbahnen sind 2,60 m lang und wurden aus 55x44cm großen Quadraten zusammengesetzt.

Für die Telemach-Tapete im Salon brauchte man 2027 Druckmodeln und 87 Farben. Die Herstellung der Tapete dauerte zwei Jahre. In der Manufaktur Dufour & Leroy arbeiteten damals bis zu 200 Mitarbeiter.

Verwunderlich ist, dass man diese Bildtapeten hier in Warendorf bei dem Anstreicher Johann Bernhard Frye in der Krückenmühle aussuchen konnte und er besorgte sie und brachte sie auch an. Katzenbergers hatten eine reiche Auswahl zwischen Parkszenen und romantischen Landschaften, Hafenbildern, Schlachten-bildern, römischen Ruinen und vielem mehr. Sie entschieden sich für „Die Inkas oder die Zerstörung des Reiches von Peru“ im Gartensaal und „Die Abenteuer des Telemach“ im Salon.

Tante Sophie erzählte gern von den sagenumwobenen „Die Inkas“ und schilderte die abenteuerliche Fahrt des Telemach, der seinen Vater Odysseus suchte, sich aber in die Nymphe Eucharis verliebt und darüber die Suche nach seinem Vater vergaß. Ihre Augen begannen zu funkeln, wenn sie erzählte, dass sich Kalypso auch in Telemach verliebt, wie früher in seinen Vater Odysseus und ihn erst das brennende Schiff wieder auf den Weg zu seiner eigentlichen Aufgabe zurückbrachte.

Ein Skandal - die erzwungene Heirat der Anna Maria Katzenberger

Tante Sophie lebte ganz in der Welt dieser Geschichten und freute sich, sie immer wieder erzählen zu können, genauso wie die Geschichten aus ihrer Familie. Besonders angetan hatte es ihr die romantische Liebesgeschichte ihrer Großeltern, die für Warendorf später von großer Bedeutung werden sollten:

Es war im Jahr 1820, als die 17jährige Maria Anna Katzenberger sich unsterblich in den jungen Premierleutnant Gottfried Heinrich Ostermann (geb. 1793 in Hamm) verliebte. Er diente im 12. Husaren Regiment, das von 1816-1832 in Warendorf lag. Gottfried Heinrich Ostermann war als königlich preußischer Premierleutnant sehr tüchtig und er hatte aus den Befreiungskriegen 1813-1815 das Eiserne Kreuz mitgebracht. All seine Verdienste halfen ihm nichts, die Eltern Katzenberger stimmten einer Hochzeit nicht zu, denn Ostermann war evangelisch. Außerdem war für den vermögenden Hofrat der arme Leutnant nicht standesgemäß. Und als Holländerin war die Hofrätin sowieso schlecht auf preußisches Militär zu sprechen. Sie versuchte mit allen Mitteln diese Liaison zu verhindern. Und es war abgemacht, dass Maria Anna den jungen Assessor Forckenbeck heiraten sollte, den Sohn des Oberpräsidenten aus Münster. Maria Anna und Gottfried Heinrich aber fühlten sich füreinander bestimmt. Um ihr Glück zu erzwingen, ließ Maria Anna sich von ihrem Herz-allerliebsten entführen. Mit einer Leiter stieg sie aus ihrem Fenster im 1. Stock auf der Rückseite ihres Elternhauses. Am Emsufer lag ein Kahn, der mit zwei Soldaten bemannt war. Am jenseitigen Ufer hielt eine Kutsche, die das verliebte Paar nach Arnsberg brachte, wo Maria Anna bei Ostermanns Schwester, einer Pastorenfrau, Unterschlupf fand.

Natürlich verbreitete sich die Nachricht von der Flucht der Hofratstochter schnell in ganz Warendorf - welch ein Skandal. Auch Maria Anna fühlte sich ganz und gar nicht wohl in ihrer Situation, so etwas tat eine wohlerzogene Tochter einfach nicht. Sie bat ihre Eltern um Verzeihung und hoffte, wieder nach Hause zu kommen zu dürfen. So einfach konnte sie aber nicht „vor der Welt“ zurückkommen. Nur eine schnelle Heirat konnte helfen. In der Laurentiuskirche wurde die geplante Eheschließung „einmal für dreimal“ verkündet und am 10. Oktober 1820 richteten die Eltern Katzenberger ihrer einzigen Tochter eine glanzvolle Hochzeit aus, hier im schönen Gartensaal, aber ohne die prächtigen Bildtapeten, denn die wurden erst vier Jahre später angebracht.

 

Mit der Heirat musste Gottfried Heinrich Ostermann eine Kaution stellen, um im Regiment bleiben zu können. Die wohlhabenden Katzenbergers verweigerten ihm aber das Geld, die Verbitterung war zu groß. So musste der hoffnungsvolle Offizier seine Uniform schweren Herzens ausziehen und eine Stelle als Kreissekretär in Ahaus annehmen. Ein schweres Los für einen jungen Mann, der seine schmucke Uniform und das flotte Offiziersleben so geliebt hatte. Und ein Posten, der wenig Geld einbrachte. Es schmerzte Gottfried Heinrich unendlich, dass er seiner über alles geliebten Maria Anna kein sorgenfreies Leben bieten konnte, zumal sie in ihrer Jugend nie Grund zum Sparen gehabt hatte.

Die Fabrikantendynastie Brinkhaus

Und ein anderes Problem war sehr schmerzlich. Das junge Paar hatte schon bei der Hochzeit einwilligen müssen, die Erziehung ihrer Kinder zur Sicherung einer katholischen Erziehung ab dem 5. Lebensjahr in die Hände der Großeltern Katzenberger zu legen. So kam es, dass die vier ältesten Töchter im heutigen Haus Klosterstraße 7, damals hieß sie noch Ritterstraße, aufwuchsen. Die beiden jüngeren Kinder durften bei den Eltern bleiben. Die Großeltern Katzenberger sorgten sehr gut für die Kinder. Die Mädchen bekamen eine umfassende humanistische und musikalische Ausbildung und gediehen prächtig. So wundert es nicht, dass der erfolgreiche Kaufmann Hermann Josef Brinkhaus (1819-1885) ein Auge auf die sympathische und selbstbewusste Johanna Ostermann (1823-1911) warf, als diese gerade ihre Großtante Jeannette in Borghorst besuchte. Er folgte ihr nach Warendorf und 1844 wurde eine glanzvolle Hochzeit gefeiert.


Verlobungstassen von Hermann Josef Brinkhaus und Johanna Ostermann

Das war der Anfang der Textil-Dynastie Brinkhaus in Warendorf, die für Warendorf von großer Bedeutung wurde.

Mit Hermann Josef Brinkhaus kam ein  innovativer Textilkaufmann aus dem Westmünsterland nach Warendorf, der hier 1861 die erste mechanische Weberei erbaute und damit das Industriezeitalter in die alten Weberstadt Warendorf brachte.

Diese erste mechanische Weberei „Brinkhaus und Wiemann“ gründete er gemeinsam mit seinem Freund Eduard Wiemann. Dieser verliebte sich in Johannas Schwester Sophia und heiratete sie. Hätte man die Villa Sophia nicht abgerissen, würde noch heute die Villa an der Sassenberger Straße an dieses elegante und kunstsinnige Ehepaar erinnern.

 

Die wunderbare Tante Sophie

Meine Tante Sophie - sie wurde nach ihrer Patentante Sophia Wiemann benannt - war das Jüngste der neun Kinder von Hermann Josef Brinkhaus und Johanna  Ostermann. Sie erlebte in ihrer Kindheit, wie ihr Vater die neue Fabrik „H. Brinkhaus“ auf der anderen Seite der Ems baute, auf der heutigen „Emsinsel“. Nach dem frühen Tode ihres Vaters 1885 führten ihre Brüder Hermann und Bernhard Brinkhaus die Firma sehr erfolgreich weiter, die zur bedeutendsten Inlettweberei Europas wurde und zeitweise über 1000 Familien in Warendorf in Lohn und Brot brachte.

 
1906: Tante Sophie in der Benzinkutsche 

Sophie war beim Tod ihres Vaters Hermann Josef Brinkhaus erst 15 Jahre alt, darum blieb sie mit ihrer Mutter im Elternhaus wohnen. 1890 heiratete sie den Sanitätsrat Dr. Eduard Schmitz. Er betrieb hier im Hause seine Arztpraxis und Sophie sorgte für ein reges gesellschaftliches Leben. Sie war lebenslustig und pflegt einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Fröhliche Feste wurden in den Tapetensälen gefeiert. 1906 war Sophie die erste Frau im Kreis Warendorf, die es wagte, sich in eine Benzinkutsche zu setzen. Ihr Bruder Bernhard hatte sich solch ein stinkendes Ungeheuer zugelegt und sie zu einer Spazierfahrt eingeladen. Die sonntägliche Spazierfahrt mit ihrer Mutter machte sie auch weiterhin mit der Kutsche. 1911 starb ihre Mutter Johanna Brinkhaus geb. Ostermann. Ihre Brüder Hermann und Bernhard erbten die Firma Brinkhaus und Sophie bekam das Elternhaus Klosterstraße 7. Es blieb auch weiterhin das Zentrum der Familie.

 

 

  

Neues Glück nach großem Leid

Dr. Bernhard Lohmann

1917, nach 27jähriger glücklicher Ehe, verstarb ihr Ehemann, der Sanitätsrat Dr. Eduard Schmitz. Für Sophie war das eine Katastrophe, sie hatte keine Altersversorgung und keine Kinder, die für sie sorgen konnten. Wie sollte sie nun das große Haus unterhalten? Sie musste es notgedrungen zum Verkauf anbieten.

Der Bruder meiner Großmutter, der Sanitätsrat Dr. Bernhard Lohmann, hatte sich nach dem 1. Weltkrieg als Arzt in Warendorf niedergelassen und suchte ein geeignetes Haus für seine Arztpraxis und seine kleine Familie. Seine Frau war im Krieg gestorben und er lebte allein mit seiner Tochter Therese. Bernhard Lohmann hatte Warendorf ausgewählt, weil hier seine Schwester Eugenie, meine Großmutter, mit ihrer Familie wohnte. Das Haus der Witwe Schmitz gefiel ihm auf Anhieb und er freute sich, die Medizinalrats-Tradition fortsetzen zu können. Der Verkauf des Hauses war für Sophie sehr schmerzhaft, denn sie musste nun ihr Elternhaus verlassen, in dem sie ihr ganzes Leben verbracht hatte und das sie über alles liebte. So traf es sich wunderbar, dass Bernhard Lohmann sich in die überaus charmante und liebenswerte Sophie Schmitz verliebte. 1920 zog Sophie als Frau des neuen Medizinalrats wieder in ihr Elternhaus ein. Ganz besonders freute sich Sophie, dass sie nun eine Tochter hatte.


1923 Hochzeit von Therese Lohmann und Aloys Kohstall

1923 richtete sie für Therese und Aloys Kohstall eine wunderbare Hochzeit aus, die natürlich im schönen Haus Klosterstraße 7 in den Tapetensälen und im Garten gefeiert wurde.

Nun verließ Threschen zwar ihr Elternhaus, aber es dauerte nicht lange, bis wieder Leben ins Haus kam, denn Threschen und Aloys bekam 12 Kinder, die immer gerne zu den Großeltern nach Warendorf kamen. Großmutter Sophie zelebrierte die gemütlichen Stunden mit den Enkeln in den Tapetensälen und erzählte ihnen all ihre schönen Geschichten. Sie führte sie ein in die Sagenwelt der Inkas und der griechischen Heldensagen und ganz viel Spaß hatten die Kinder, wenn sie „Ausrutscher“ der Drucker suchen durften, wie z.B. das verrutschte Treppengeländer, was ja heute noch zu sehen ist.


Familie Kohstall mit Opa und Oma Lohmann

 

Spuren des Ofenrohrlochs von 1945

Während des 2. Weltkrieges wurde es wieder voll im Haus. Viele Flüchtlinge und Evakuierte mussten untergebracht werden. Auch die beiden Tapetensälen wurden von Flüchtlingsfamilien bewohnt. Nur leider gab es hier keine Heizung und es hat Tante Sophie fast das Herz gebrochen, als ihr Mann Bernhard Löcher in die Wände mit den Bildtapeten schlug, um Ofenrohre für die Herde und Öfen ins Freie zu führen. „Erst kommen die Menschen, dann die Kunst“, sagte Onkel Bernhard. Diese Löcher wurden bei der letzten Renovierung 2011 übergemalt, man kann sie nur noch ahnen.

Bernhard und Sophie Lohmann wohnten bis zu ihrem Tode 1950 und 1952 in dem schönen Haus an der Klosterstraße. Sophie erzählte ihren zahlreichen Besuchern immer vergnügt, dass sie in diesem Haus mit zwei Männern Silberhochzeit gefeiert hat und mit beiden sehr glücklich gewesen ist.

Heute sind die beiden Tapetensäle ein Teil des Dezentralen Stadtmuseums der Stadt Warendorf.   

Struwenessen am Karfreitag beim Heimatverein Warendorf:
Das traditionelle Karfreitagsgericht der Warendorfer köstlich zubereitet von Marie-Luise Mönnigmann und ihrem Team, dazu wurde Muckefuck ausgeschenkt
von Matthias M. Rinschen

Am Karfreitag, dem 3. 4. 2026, war es wieder soweit: Schon vor 12.00 Uhr mittags bildete sich eine lange Schlange hungriger Warendorf vor dem Gadem am Zuckertimpen. Der Grund: Wieder einmal gab es dort die traditionellen Karfreitagsstruwen, frisch gebacken von Marie-Luise Mönnigmann und ihrem Team. Struwen, das ist ein Hefeteig mit Rosinen gebraten in Öl. Das genaue Rezept wollte Marie-Luise Mönnigmann nicht verraten, aber eines ist sicher: Diese Struwen aus dem Gadem sind einfach umwerfend lecker. Und dass sich das mittlerweile in Warendorf herumgesprochen hat, davon zeugte der große Andrang vor dem kleinen Gadem: Die Menschen standen bis auf die Straße. Innen, in dem Haus der armen Leute, kamen die Besucher auf ihre Kosten, konnten in den gemütlichen Stuben einen Platz finden oder sich auch ein bisschen in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. Jahrhunderts zurückversetzen. All das wurde abgerundet durch eine Tasse Muckefuck, den das Team des Heimatvereins Warendorf auch zubereitet hatte. Muckefuck, das Kaffeeersatzgetränk, hergestellt aus geröstetem Roggen oder auch Zichorien. Denn echten "Bohnenkaffee" konnten sich die armen Leute damals nicht leisten.
Es war wieder einmal eine rundum gelungene Aktion des Heimatvereins, die  der Initiative des Teams um Marie-Luise Mönnigmann zu verdanken ist.


Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Warendorf am 26. 3. 2026
Mechtild Wolff wird zur Ehrenvorsitzenden des Heimatvereins ernannt
Catharina Osthues wird zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt
von Matthias M. Rinschen

Neben den üblichen Regularien einer Jahreshauptversammlung standen zwei Tagesordnungspunkte im Vordergrund: Mechtild Wolff wurde nach 15 jähriger Tätigkeit als Vorsitzende des Heimatvereins zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Die Vorsitzende Beatrix Fahlbusch dankte ihr für diese Zeit, in der sie durch ihre zahlreichen Aktivitäten den Heimatverein Warendorf entscheident geprägt hat. Dazu gehören zahlreiche Beiträge auf der Homepage zur Stadtgeschichte und Kulturgeschichte Warendorfs, Stadtführungen - beliebt und engagiert, Friedhofsführungen, die große Ausstellung "Kette und Schuss", Kinderführungen im Gadem, Erzählwerkstätten zur Textilstadt Warendorfs und vieles mehr. Mechild Wolff hat sich um den Heimatverein verdient gemacht.

Und eine andere erfreuliche Neuigkeit überraschte die anwesenden Mitglieder: Nach langer Vakanz konnte die Stelle der zweiten Vorsitzenden endlich durch Catharina Osthues wieder besetzt werden. Die 30jährige Kunsthistorikerin arbeitet zur Zeit in Lünen bei der Denkmalpflege und verfügt so entsprechende Vorkenntnisse, die für den Heimatverein ausgesprochen wertvoll sein werden.

Schließlich teilte Franz Schulze Nahrup mit, dass er den  "Plattdütsken Krink", nicht mehr fortführen könne. Er hatte ihn viele Jahre mehrmals jährlich durchgeführt. Hier wurde die pattdeutsche Sprache gepflegt, mit Liedern, Geschichten und Gedichten. Er bedauerte in seiner kurzen Ansprache, dass dieser Teil der westfälischen Kultur immer mher zurück gedrängt werde. Die Vorsitzende Beatrix Fahlbusch unterstrich seine Bemühungen und dankte ihm herzlich unter dem langen Applaus der Anwesenden Vereinsmitglieder.

 

 

 

 

Interessantes und Aktuelles vom Heimatverein Warendorf

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Der neue KIEPENKERL 2025

Die wunderbare Tante Sophie
Erinnerungen von Mechtild Wolff

Struwenessen am Karfreitag beim Heimatverein Warendorf:
Das traditionelle Karfreitagsgericht der Warendorfer köstlich zubereitet von Marie-Luise Mönnigmann und ihrem Team

Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Warendorf

Die Affhüppen-Kapelle – eine architektonische Schönheit der Neugotik in Vohren
von Mechtild Wolff

Vortrag von Dr. Dirk Ziesing (Bochum):
"Warendorf – Westpreußen – Waterloo"

Zum 200jährigen Jubiläum des Landgestüts:
Bürgermeister Johann Kaspar Schnösenberg
von Mechtild Wolff

Das Josephs-Hospital - eine lange Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ende
von Mechtild Wolff

Franz Joseph Zumloh, Wohltäter in großer Not
von Mechtild Wolff

Der neue "Kiepenkerl" 2025 mit aktuellen Berichten aus Warendorf und der Arbeit des Heimatvereins erscheint zum Herunterladen online auf der Website des Heimatvereins

Stellungnahme des Heimatvereins Warendorf zum Bau der neuen Bundesstraße B64 n (Umgehung Warendorf)

Vortrag zur Ahnenforschung

Antrag des Heimatvereins Warendorf an den Bürgermeister und den Rat der Stadt Warendorf bezüglich der Benennung bzw. Umbenennung von Straßen

Stadtführung mit dem Thema: Entstehung und Bedeutung ausgewählter Straßennamen

Turbulente 15 Jahre im Heimatverein: Rückblick der Vorsitzenden Mechtild Wolff

Verabschiedung von Frau Mechtild Wolff nach 15 Jahren im Vorsitz des Heimatvereins Warendorf:
Würdigung durch den Bürgermeister Peter Horstmann

Vor 80 Jahren: Die letzten Tage des 2. Weltkriegs in Warendorf Ostern 1945
Jahreshauptversammlung 2025

Das Portrait: Dr. h.c. Heinrich Windelen

Aus Anlass des Denkmaltages am 8. 9. 2024:
Motto: "Wahrzeichen - Zeitzeugen der Geschichte"
Der Warendorfer Bürger-Schützenhof – eine Erfolgsgeschichte mit traurigem Ende

Aus Anlaß des Auftaktes der Europagespräche der Stadt Warendorf am 1. 9. 2024 erinnert der Heimatverein Warendorf:
1954 - Kaiser Haile Selassi in Warendorf - ein Ereignis, an das man sich noch heute erinnert

Der erste große Stadtbrand von Warendorf aus dem Jahre 1404

Das Portrait: Joos Brandkamp, Kirchen- und Kunstmaler (1905 - 1983)
von Mechtild Wolf

100 Jahre Frauenwahlrecht - Erinnerungen an Clara Schmidt in Warendorf und die Frauenbewegung Clara Schmidt und die Frauenliste
Fakten und Historie

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des Heimatvereins Warendorf
Thema: "Clara Schmidt und die Frauenliste 1924 in Warendorf"

 
 
Westfälisch Platt: Naorop fö Mathilde Kempkes
von Franz Schulte Nahrup

Was hat der Name „Teufelsbrücke“ mit dem Ems-Hochwasser zu tun?o:p>
von Heinrich Schallück (Einführung: Mechtild Wolff) (27. 12. 2023)
anlässlich des Emshochwassers Weihnachten 2023

 

 

Heimatfest Mariä Himmelfahrt
Erlebte Geschichte: Mariä Himmelfahrt in den 1920er Jahren von Eugenie Haunhorst

Unser engagiertes Ehrenmitglied Kurt Heinermann verstarb im Alter von 91 Jahren

Anni Cohen und ihre Familie - von Warendorf nach Südafrika und Palästina
von Mechtild Wolff

Eduard Elsberg erbaute das erste große Kaufhaus in Warendorf
von Mechtild Wolff

Der Elsbergplatz
von Dr. Bernward Fahlbusch

Das Fahrrad, ein wertvoller Besitz
von Eugenie Hauenhorst

 

 

Nachruf auf unseren langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Franz Bülte, Todestag  14. 12. 2022
von Norbert  Funken

„Wie war das eigentlich früher in Warendorf?“
Der Heimatverein lädt ein zum nächsten „Klön-Nachmittag“
Termin: Sonntag, den 20.11.2022 um 15 Uhr im Historischen Ratssaal des Rathauses am Marktplatz

Friedhofsrundgang mit Mechtild Wolff
"Sie alle haben sich um Warendorf verdient gemacht und sollten nicht vergessen werden"

Fragen an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder in der Bürgerfragestunde
der Ratssitzung vom 28.9.2022 zum Thema:
Bauen auf der Emsinsel – Bauen in den Auen der Ems?

 

Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Neue Bahnhof" in Warendorf von Mechtild Wolff

 

Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Alte Bahnhof" in Warendorf
 
Der Warendorfer Friedhof - Spiegel der Stadtgeschichte


Gebr. Hagedorn und Co, eine Landmaschinenfabrik mit Eisengießerei

 
Der Warendorfer Friedhof: Spiegel der Stadtgeschichte
Carl Leopold und die Schnellsche Verlagsbuchhandlung 1909 - 1986


Antrag des Heimatvereins Warendorf an den Bürgermeister Horstmann und den Stadtrat der Stadt Warendorf bzgl. des Erhalts des Hauses Wallgasse 3

 

 

 

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