Bürgermeister Johann Kaspar Schnösenberg (1786-182
Bürgermeister von 1813-1826
Vorgänger: Gerhard Limberg 1812-1813
Nachfolger: Alex Lohagen 1826-1835
von Mechtild Wolff (2026)

Es war an einem eisig kalten Februartag im Jahr 1826, als die Warendorfer Bürger durch einen ungewöhnlich lang andauernden Hufschlag aufgeschreckt wurden. Das Klappern von Pferdehufen gehörte damals zwar zum Alltag, denn Pferd und Wagen waren das einzige Transportationsmittel, aber dieses Geräusch war anders und trieb die Bürger neugierig aus ihren Häusern. Voller Erstaunen sahen sie einen langen Tross mit 24 Hengsten und einigen Reitern im Sattel – edle, aber doch recht müde wirkende Pferde, gefolgt von vier schweren Arbeitspferden. Eiligst wurde Bürgermeister Johann Kaspar Schnösenberg im Rathaus am Marktplatz benachrichtigt, der hocherfreut zum Münstertor eilte, wo er im erst vor 10 Jahren erbauten Kavallerie-Stall schon Boxen für 100 Hengste hatte einrichten lassen.

 Vier Jahre lang hatte Bürgermeister Schnösenberg auf diesen Moment gewartet, denn so lange schon stand er mit der Obrigkeit in Verhandlungen, um in Warendorf eine Gestüt einrichten zu können. Das war für die alte, ehemals wohlhabende Leineweberstadt sehr wichtig, denn in Warendorf zeichnete sich ein bedrohlicher Niedergang ab. Immer mehr Handweber konnten von ihren Leinenprodukten nicht mehr leben, denn mechanische Webereien im Ausland produzierten preiswerter. Warendorf brauchte ein zweites Standbein!

 
Marktplatz am Münstertor, Warendorf

Da kam der Plan des preußischen Oberstallmeisters Carl Freiherr von Knobelsdorff gerade recht, der in der westfälischen Provinz ein Gestüt für ausgewählte Deckhengste einrichten wollte. Warendorf bot ideale Bedingungen, eine solide Kleinstadt mit etwa 4000 Einwohnern, ja sogar eine Garnisonsstadt, die mit der sandigen Umgebung ideale Reitmöglichkeiten bot und im „Großen Stall“ am Münsterwall Platz für 100 Pferde zur Verfügung stellen konnte. Für die Unterkunft der Gestütsknechte wurde in den umliegenden Bürgerhäusern gesorgt. Zu einem späteren Zeitpunkt konnte ein „Königliches Landgestüt“ nach dem Vorbild von Trakehnen und Neustadt an der Dosse geplant werden. Mit dieser Zusage schickte die Obrigkeit den Gestütsinspektor Heinrich Köhne mit den sorgsam ausgewählten Hengsten und einigen Pferdeknechten auf den langen und beschwerlichen Weg von Ostpreußen nach Westfalen. Köhne war auch persönlich hocherfreut, denn es ging zurück in seine westfälische Heimat. Bürgermeister Schnösenbergs Plan war geglückt!

Wer war dieser Johann Kaspar Schnösenberg?

Johann Kasper Schnösenberg war der Sohn eines Warendorfer Bäckers, Brauers und Gastwirts, man nannte ihn auch Wirtschafter. Seine Familie führte das wohlrenommierte Hotel Schnösenberg mit Gaststätte und großem Festsaal an der Münsterstraße.


Hotel Schnösenberg mit hoteleigener Kutsche

Johann Kaspar durfte das „Laurentianische Gymnasium“ der Franziskaner in Warendorf besuchen und wurde als guter Schüler mehrfach ausgezeichnet. Früh lernte er, dass sich Erfolg nur durch Fleiß und Strebsamkeit einstellt. Im Hotel Schnösenberg war es selbstverständlich, dass alle Familienmitglieder mit anpackten. Gern erzählte Johann Kaspar, mit welchem Vergnügen er die Gäste mit der eleganten Kutsche des Hotels Schnösenberg kutschierte.

Johann Kaspar Schnösenberg wird Bürgermeister

Nach der Schule lernte und arbeitete Johann Kaspar Schnösenberg bei einem gestrengen Kaufmann. Das war eine gute Vorbereitung auf das Bürgermeisteramt, das ihm 1813 im Alter von nur 27 Jahren anvertraut wurde. Dieses Amt war ehrenamtlich, der Bürgermeister erhielt kein Gehalt, aber eine Aufwandsentschädigung von 800 Talern für Bürokosten. Ja, es konnten sich nur wohlhabende Kaufleute leisten, diesen ehrenvollen Posten zu übernehmen. Es dauerte noch bis 1868, ehe mit Bürgermeister Diederich ein ausgebildeter und gut besoldeter  Verwaltungsfachmann in das Bürgermeisteramt kam.


Münstertor mit Marienfelder Säulen, ein schöner Stadteingang

 
Bei Amtsantritt musste Bürgermeister Schnösenberg feststellen, dass sich sein geliebtes Gymnasium im Niedergang befand. Darum sah er seine vordringliche Aufgabe darin, „die Wiederherstellung des Laurentianischen Gymnasii“ zu betreiben, von dem „der Flor der Stadt und die Bildung der Jugend“ abhing, so schrieb er an die Münsterische Behörde. Der Oberpräsidenten von Vincke unterstützte Schnösenbergs Bestrebungen und der Bürgermeister konnte am 1. Mai 1820 die Wiedererrichtung des Gymnasium Laurentianum als „Höhere Bürgerschule“ im neuhumanistischen Geist bekannt geben. Das Gymnasium war gerettet.

Das Münstertor wird durch die Marienfelder Säulen verschönert

Bürgermeister Schnösenberg lag die Verschönerung des Stadtbildes sehr am Herzen. Darum nutzte er 1823 seine guten Beziehungen zum Preußischen König Friedrich Wilhelm III. und bat ihn, der Stadt Warendorf die alte Toranlage der Zisterzienserabtei Marienfeld zu überlassen. Diese Toranlage hatte bis 1803 an der Zisterzienserabtei gestanden, dann aber war dieses prachtvolle Bauwerk  im Zuge der Säkularisierung „in Ungnade“ gefallen. Die Sandsteinsäulen waren nun Staatseigentum und wurden abgerissen, aber Gott Dank nicht zerstört, sondern sorgsam eingelagert. Davon bekam Bürgermeister Schnösenberg Kenntnis und dank seiner guten Beziehungen zum Preußischen König konnte er die acht Sandsteinsäulen nach Warendorf holen. Seit über 200 Jahren zieren nun die Torpfeiler den westlichen Stadteingang unserer Stadt. Das Münstertor vermittelt uns Bürgern und den Besuchern den Beginn einer historische Altstadt - ein stilvoller Stadteingang.

Schnösenberg wurde ein tüchtiger Bürgermeister und bekam in Anerkennung seiner Verdienste 1824 eine Zulage von 100 Talern zugesprochen, die aus dem städtischen Kommunalfonds gezahlt wurde. Damit wurde der Warendorfer Bürgermeister der höchstbesoldete Kommunalbeamte im Regierungsbezirk Münster.

Die Gründung des Westfälischen Landgestüts

Am 17. Februar 1826 verwirklichte sich nach vierjähriger Vorbereitungszeit ein Plan, dessen Wichtigkeit für Warendorf man damals noch gar nicht abschätzen konnte. Aus Ostpreußen kam nach wochenlangem Marsch durch Eis und Schnee ein Tross mit ausgewählten Deckhengsten in Warendorf an. Im Kavallerie-Stall am Münsterwall hatte Bürgermeister Schnösenberg Boxen für 100 Hengste eingerichtet - das „Königliche Landgestüt“ nach dem Vorbild des so erfolgreichen Preußischen Gestüts in Trakehnen war begründet. Schon zwei Tage später kam der westfälische Oberpräsident Ludwig Freiherr von Vincke in seiner Dienstkutsche nach Warendorf, um das neue Gestüt zu begutachten. Auf dem Wilhelmsplatz erlebte er die „Revue der wirklich schönen Hengste, welche gewiss eine Wohltat für die Provinz sein werden.“ Die erste „Warendorfer Hengstparade“ des „Königlich-Preußischen Rheinisch-Westfälischen Landgestüts“ hatte mit großem Erfolg stattgefunden! König Friedrich Wilhelm III unterstützte die langfristige Einrichtung des Gestüts im Warendorf, um die wenig erfreuliche Lage der Pferdezucht in Westfalen zu verbessern. Die gestrenge Aufsicht des Gestütsinspektors Köhne zeigte gute Erfolge. Aus der Zucht mit Gestütshengsten gingen immer mehr „Husarenpferde“ hervor, was den guten Ruf des Warendorfer Gestüts begründete und mit denen die Züchter gutes Geld verdienen konnten. Wegen seiner guten Zuchterfolge wurde Heinrich Köhne zum ersten Landstallmeister berufen. Auch Bürgermeister Schnösenberg setzte sich nach Kräften für das Gestüt ein, denn auch er wusste, dass gute Reit- und Zugpferde dringend gebraucht wurden. Damals hätte noch niemand gedacht, dass Warendorf dereinst zur Stadt des Pferdes werden würde und das Landgestüt im Jahr 2026 seinen 200. Geburtstag feiern würde – mit 160 Hengsten im Stall.

Es war tragisch, dass Bürgermeister Johann Kaspar Schnösenberg den Aufstieg des Gestüts nicht mehr miterleben konnte. Er verstarb völlig unerwartet im August 1826 im Alter von nur 40 Jahren. Die Stadt Warendorf verlor allzu früh ihren tüchtigen und allseits geschätzten Bürgermeister.

Im Schulviertel erinnert die „Schnösenbergstraße“ an diesen tüchtigen und beliebten Bürgermeister.

Mechtild Wolff

 

 

Startseite Stadtmuseum Kirchen Lexikon Erlebte Geschichte Archiv Impressum
Bilderbogen Gadem St. Laurentius Persönlichkeiten  Datenschutzerklärung
Video Tapetensaal St. Marien Straßennamen      Satzung
  Torschreiberhaus Christuskirche Mariä Himmelfahrt     Mitglied werden
Haus Bispinck St. Joseph Karneval
    Affhüppenkapelle Fettmarkt      

Heimatverein Warendorf e. V., Vorsitzende: Beatrix Fahlbusch, Düsternstraße 11, 48231 Warendorf, Tel: 02581 7 89 59 03       
E-Mail: vorstand@heimatvereinwarendorf.de
Copyright: Heimatverein Warendorf (C) 2005 -2025 (Impressum und Datenschutzerklärung)
 Mitglied werden