Thema: Zukunft des Emsseeparks und der Emsinsel
Worum geht es bei der „Neuen Ems“ in Warendorf?
von Mechtild Wolff

Die Wasserrahmenrichtlinien der EU schreiben den Städten vor, die Flüsse zu renaturieren. Das heißt für Warendorf, dass die Ems wieder ein natürliches Flussbett bekommen muss und so gestaltet werden soll, dass die Fische eine Möglichkeit bekommen, von der Ems unterhalb des Wehrs in den oberen Bereich zu gelangen.

Lange wurde über eine Fischtreppe diskutiert, jetzt sieht man in einer Emsumleitung eine bessere Lösung. Darum soll die „Neue Ems“ entstehen, die von der Ems zum Emssee, dann durch den alten Emsarm an der André-Marie-Brücke wieder zurück in die Ems geführt wird. Diese Maßnahme muss oberhalb des Wehrs von der Stadt Warendorf finanziert werden, allerdings mit 80% Zuschuss des Landes für alle entstehenden Kosten. Unterhalb des Wehrs muss das Land zu 100% finanzieren.

 

Nun stellt sich die Frage: Welchen Weg soll die „Neue Ems“ nehmen?

 

Vorschlag der Stadt Warendorf

 

Die Stadt Warendorf plant, die „Neue Ems“ durch den alten Brinkhaus-Park zu legen.

Vorteile:

1. Der Grund und Boden gehört der Stadt, es muss kein Landkauf getätigt werden.

2. Die Fläche steht sofort zur Verfügung. (Es besteht allerdings kein Zeitdruck, denn das Projekt der WRRL hat einen Zeithorizont bis 2027)

Nachteile:

1. Der alte Brinkhaus-Park wird zerstört und zu einem großen Teil für die 40 Meter breite „Neue Ems“ geopfert. Dieser kleine, etwas separate Park mit der Birkenallee, dem kleinen See und den schönen Brückchen war früher der Privatpark der Familie Brinkhaus, die in Haus Bleiche wohnte. Er wurde von Gärtnern gehegt und gepflegt und als 1974 der Emspark angelegt wurde, überließ Hermann Gustav Brinkhaus diesen Park der Stadt, also den Warendorfer Bürgern. Er wurde eine schöne Ergänzung der Emsparkanlage. Herr Brinkhaus versprach sich davon den langfristigen Erhalt des „Brinkhaus-Parks“. Bis jetzt hat das auch gut funktioniert. Gerade dieser alte Park mit seiner gewachsenen Struktur hat eine ganz besondere Atmosphäre und wird von den Bürgern viel genutzt. Auch die Jugendlichen treffen sich hier gerne zu Grillpartys und Sit-ins und wir müssten doch eigentlich dankbar sein, dass wir solch einen Park haben, der von den Bürgern geliebt wird.

Diese Flussführung nimmt dem Park einen wesentlichen Teil - viele sehr alte Bäume müssen gefällt werden  und die einzige öffentliche Streuobstwiese würde verschwinden. Auf der Streuobstwiese kann im Herbst jeder Bürger Äpfel ernten, ein Erlebnis, das besonders für Kinder wichtig ist, die zu Hause keinen Garten haben.

Das ist ein unverhältnismäßig hoher Preis! In anderen Städten werden sogar Häuser abgerissen, um Grünflächen zu erweitern, weil man genau weiß, dass so die Attraktivität der Stadt erhöht wird. Warum ist das in Warendorf anders?

2. Auch die Wassersportler hätten einen hohen Preis zu zahlen! Die „Neue Ems“ würde aus dem unteren Teil des Emssees ein Flussgerinne machen. Die Sohle müsste aufgefüllt werden, damit Fließgeschwindigkeit erreicht wird. Dadurch ist dieser Teil für den Segelsport dann nicht mehr nutzbar. Der Emssee ist jetzt gerade groß genug für den Segelsport, dann aber wäre er zu klein und es ist zu befürchten, dass wir dann keine Segelboote mehr auf dem Emssee sehen werden. Die Segelkurse und die Segelmöglichkeiten sind eine wichtiger Teil der Jugendarbeit in Warendorf - darum wurde der Bau des Bootshauses von der Stadt gefördert. All das ist mit der „Neuen Ems“ durch den Brinkhaus-Park in Gefahr!

 

Welche Alternative gibt es?

Schon seit vielen Jahren fragen wir uns: Was wird aus dem Firmengelände der Inlettweberei Brinkhaus? Hier muss dringend etwas geschehen, denn die Industriebrache ist ein ganz schlechtes Aushängeschild für unsere Stadt.


Die Firma Brinkhaus auf der Emsinsel

 

Im Jahr 1879 baute Hermann Josef Brinkhaus seine neue mechanische Weberei hier in die Emsaue. Damals war das Grundstück direkt an der Ems für seine Bedürfnisse ideal, denn eine Weberei braucht viel Wasser. Da sich die Firma prächtig entwickelte, wurden immer mehr Gebäude und Hallen gebaut, eine zwangsläufige Entwicklung.  So entstand ein Pfropf in der Emsaue.

Durch die Schließung der Firma Brinkhaus haben sich die Rahmenbedingungen geändert, die Industriebauten werden nicht mehr gebraucht, denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich hier wieder Industrie ansiedeln wird. Nun müsste die Stadt doch alle Kraft daran setzen, die Emsaue wieder durchgängig zu machen und den Pfropf aufzulösen.

Dem ist aber leider nicht so. Schon seit langer Zeit versuchen engagierte Bürger, insbesondere der Arbeitskreis Emsinsel, Verwaltung und Politik davon zu überzeugen, dass die Emsinsel renaturiert werden soll. Das bedeutet, dass alle nicht brauchbaren Hallen abgerissen werde. Die historischen Gebäude, wie z.B. das Bürogebäude, die alten Sheddach-Hallen und das Garagenhaus mit dem Pförtnerhäuschen müssen erhalten bleiben und eine sinnvolle Nutzung finden. So könnten große Flächen wieder grün werden und eine  attraktive  Erweiterung des Emsparks bilden. Dafür müsste die Stadt die Industriebrache allerdings kaufen.

 


Klaus Ring: Ideenskizze Emsinsel

 

All diese Pläne des Arbeitskreises Emsinsel werden mit dem Totschlagargument: „Die Stadt kann den Ankauf der Emsinsel nicht bezahlen!“ vom Tisch gefegt.

Darum hat der Arbeitskreis nach Fördermöglichkeiten gesucht und eine ideale Lösung bei der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) gefunden. Wie oben schon beschrieben fordert EU Verordnung die Renaturierung der Ems und fördert die Maßnahmen mit 80%. Hier ist unsere Chance!

Die "Neue Ems" geht über die Emsinsel - Variante 2 des AK Emsinsel

 

Karl Heinz Elling hat mit dem Arbeitskreis Emsinsel einen Plan erarbeitet, bei dem die geforderte „Neue Ems“ über das Gelände der Industriebrache Brinkhaus gelegt wird, s. Variante 2. Hier müssen weder erhaltenswerte Gebäude noch erhaltenswerte Bäume abgerissen werden. Für diese Maßnahme würde das Land den Ankauf von Grund und Boden, den Abriss der Gebäude und die Dekontaminierung des Bodens mit 80% finanzieren. Damit wäre schon ca. 30% der Industriebrache entwickelt und bezahlt und um den neuen Fluss herum könnte ein attraktiv gestaltetes Parkgelände entstehen mit einem „Cafe´Inlett“ im Bürogebäude, einem Touristenzentrum im Garagenhaus an der Straße und vielem mehr.

Den verbleibenden Eigenanteil von 20% der Maßnahme kann die Stadt aus den Ausgleichsgeldern finanzieren, die durch den Bau des 3. Bauabschnitts der Stadtstraße Nord und durch das neue Baugebiet am Milter Kreisel entstehen. Herr Baudirektor Pesch will aber diese fälligen Zahlungen in die Renaturierungsmaßnahme an der André-Marie-Brücke stecken. Das nützt der Stadt Warendorf aber gar nichts, denn wie schon oben erwähnt, müssen alle Maßnahmen unterhalb des Wehrs zu 100% vom Land finanziert werden. Und warum soll die Stadt Warendorf das Land finanziell unterstützen, wenn wir das Geld selber dringend brauchen.

Für den verbleibenden Teil der Emsinsel muss sich die Stadt um Städtebau-Förderungsmittel bemühen. So könnte die Emsinsel eine wichtige Bereicherung für die Bürger und eine Initialzündung für die Attraktivierung unserer Stadt werden.

 

Warum will die Stadt das mit allen Mittel verhindern?

In der Presse war schon zu lesen, dass der Warendorfer Baudirektor andere Vorstellungen von der Gestaltung auf der Emsinsel hat. Er möchte dort eine „Neue Altstadt“ schaffen. Abgesehen davon, dass neben einer historischen Altstadt eine „Neue Altstadt“ absurd ist, macht dieser Vorschlag aus seiner Perspektive sehr wohl Sinn, denn Herr Pesch und mit ihm die Politiker der CDU und der FDP und Teile der SPD und FWG verfolgen ganz offensichtlich die Interessen der Investoren und der Banken. Und die sind an einer möglichst hohen Dividende interessiert. Für die Stadt Warendorf wäre ein Verkauf an einen Investor recht bequem, denn dann brauchte sich Verwaltung und Politik nicht mehr so intensiv um die Verwertung der Emsinsel zu kümmern.

In dieses Konzept der Stadt passt die „Neue Ems“ im Brinkhaus-Park perfekt, denn sie rundet das „Baugebiet Emsinsel“ ab und sorgt mit einer Eindeichung für Hochwasserschutz auf dem dann frei planbaren Bereich (s. Variante 5, Bild oben). Dann können die Politiker beschließen, bis in den Emspark hinein zu bebauen. Und wir machen uns gar keine Illusionen: Das ist das Ziel von Verwaltung und großen Teilen der Politik. Auch wenn heute gesagt wird „Man kann doch eine geringfügige Bebauung erlauben!“ wissen wir, was daraus wird, wir haben es auf dem Schräder-Dreieck an der Dr.-Rau-Allee und am Kloster hautnah erlebt.

 

Welche Möglichkeiten hat die Stadt denn überhaupt?

Diese Frage wird oft gestellt. Die Stadt Warendorf hat die Planungshoheit, sie kann bestimmen, welche Folgenutzung auf der Emsinsel erlaubt werden soll. Da es sich hier um eine Industriefläche handelt, muss in jedem Fall ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Der Besitzer einer Liegenschaft hat aber nicht das Anrecht, eine Baufläche ausgewiesen zu bekommen. Die Politiker könnten hier eine Grünfläche ausweisen, was den Wert des Grundstücks allerdings wesentlich minimieren würde.  Wenn keine Wohnbauplanung mehr in Aussicht gestellt wird, werden die Investoren schnell das Interesse verlieren und einer Renaturierung der Emsinsel stünde nichts mehr im Weg. Dann könnte die Stadt die Industriebrache zu einem fairen Preis kaufen und einen Mehrwert für die Stadt schaffen. So wird es in anderen Städten auch gemacht.

Also, es gibt genügend Möglichkeiten. Die Politik muss nur die Entscheidung fällen, die Emsinsel für die Bürger zu nutzen und ein Städtebauliche Konzept für die Emsinsel erstellen.

Wenn jetzt allerdings die Variante 5 vorab beschlossen wird, dann sind alle Möglichkeiten vertan!

 

Verwaltung, Politik und die Bürger müssen sich immer fragen:

Was nutzt der Stadt Warendorf für ihre Weiterentwicklung? 

Darf sich die Stadt diese einmalige Chance entgehen lassen?

 

 

Mechtild Wolff

 

Warendorf, den 3.6.2016

Das Märchen  von der Stadt, dem Fluss und der Insel
2016 erzählt von Klaus Günter Ring

  Es war einmal eine wunderschöne kleine Stadt an einem - in ihren Augen - großen Fluss. Wie diese beiden miteinander lebten, soll hier erzählt werden.  Der Fluss war noch jung, als er die Stadt erreichte, denn sie war erst die dritte auf seinem weiten Weg zum Meer. Er war im Großen und Ganzen harmlos und etwas verspielt und pendelte und klüngelte  in seiner breiten Aue in weiten Schwüngen dahin. Seine Fische und seine Lebewelt in, an und über dem Wasser waren putzmunter.  Manch­mal wur­de der junge Fluss übermütig und sprang aus seinem Bett. Das war oft für die kleine Stadt gar nicht lustig, vor allem,  wenn der Fluss mal im Sommer und mal im Winter zum Strom und sein Gerinne zur Flut wurde. Er war von jeher unberechenbar, das wusste man, und weil Wasser immer Recht hat, sann man auf Abhilfe. Man bot ihm ein breites Lotterbett zum Austoben an, und er füllte es auch prompt mit seinem Wasser. So entstand ein See, der nahtlos in sein eigenes Altwasser überging und durch viele Bäume und Büsche an seinen Ufern mit der Zeit immer schöner zum Anschauen wurde  Hier konnte man segeln und paddeln, anfangs sogar schwimmen, und, als die Winter noch kalt wurden, wunder­bar Schlittschuh laufen. Er wurde von den Bewohnern der kleinen Stadt so ins Herz ge­schlosssen, dass sie ihn zu jeder Tageszeit be­suchten, um ihn herum wanderten und sich an seinen Ufern niederließen.... Weiterlesen, klicke hier

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